Zugpferdemuseum Lütau

Zugpferdemuseum auf dem Annenhof in Lütau

Das Zugpferdemuseum auf dem Annenhof in Lütau ist eine wahre Schatzkammer - voll mit Exponaten zur Geschichte des Einsatzes von Zugpferden. So ziemlich jeder Aspekt des arbeitenden Pferdes mit Gespann ist hier lebhaft dokumentiert ...

Die Familie Hagenkötter als Bewohner des Annenhofes und Betreiber des Museums nimmt an diesem Ort die annerkennenswerte Aufgabe wahr, echte Requisiten aus dem Alltag von Zugpferden zu konservieren, Wissen rund um das Zugpferd zu recherchieren, Historie lebendig zu präsentieren und damit diesen immens wichtigen Part unserer Kulturgeschichte zu erhalten. Technologische Errungenschaften, wie wir sie heute kennen, wären teils gar nicht möglich gewesen ohne den Einsatz von Zugpferden. Die Industrialisierung wäre gescheitert ohne das Pferd; denn ausreichende motorisierte Transportmöglichkeiten waren noch lange nicht verfügbar. Dieses und noch viel mehr erfahren wir, wenn wir die wunderbar ausgebaute alte Scheune aus dem frühen 18. Jahrhundert betreten, in dem die geschichtsträchtigen Exponate präsentiert werden. Jeder Winkel wurde genutzt, um die spannende Historie teilweise hart arbeitender Pferde erfahrbar zu machen. Bei dem stetig wachsenden Museumsfundus bedarf es in Zukunft sicher eines größeren Gebäudes, um wirklich alle Exponate der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Zugpferdemuseum Ausstellung

Der Alltag eines Bierkutschers erscheint vor unserem Auge ebenso lebhaft, wie das Treiben in einer Poststation oder des Pferdes Arbeitstag unter Tage, wenn wir die mit Ausstellungsstücken gestalteten Szenen betrachten. Das Pferd betreffende Fakten trauriger Kapitel unserer Geschichte werden uns ebenso bewusst gemacht:

Weltkrieg Zugpferdemuseum

...in den Weltkriegen wurden zahlreiche Pferde eingesetzt. Was viele nicht wisssen, vom Nazi-Regime gerne verschwiegen - auch am (motorisierten) zweiten Weltkrieg waren noch Abermillionen Pferde beteiligt. Später waren es wiederum Pferde, die das Leben von Flüchtlingen aus dem Osten retteten; vor den Wagen gespannt zogen sie Familien unter härtesten Bedingungen Richtung Westen.

Bei einem Besuch des Zugpferdemuseums im Herzogtum Lauenburg erfahren wir vieles, was uns zuvor gar nicht bewusst war... wer denkt heute schon daran, dass Bierfässer früher in Kellern mit Eisblöcken gekühlt und diese von Pferden transportiert wurden, wie auch die Vielzahl von Backsteinen, mit denen diese Gewölbe gebaut wurden. Wie viele Kilometer hierfür als auch für viele andere Dienstleistungen von Zugpferden und Kutschfahrern zurückgelegt, wieviele "Erdumrundungen gefahren" wurden, erzählt uns Herr Hagenkötter in einer seiner spannenden Führungen durch das Museum. Heute kaum vorstellbar, waren es riesige Pferdegspanne, die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Straßenbahnen durch den urbanen Raum zogen; in den Städten gab es mehrstöckige Pferdeställe.

Post Lauenburg Zugpferdemuseum

 

Ein weiteres Kapitel der Mobilität durch Pferde wird aktuell in der vom Zugpferdemuseum Lütau gestalteten Sonderausstellung in Mölln illustriert - die Zeit der Postkutsche. Nein hier geht es nicht um den "Wilden Westen", sondern um die Geschichte des Transports von Briefsendungen auf der Kommunikationsachse Kopenhagen - Altona/Hamburg und deren Verzweigungen in Norddeutschland.

Bis zum 25. Juli 2014 war im Möllner Stadthauptmannshof die Ausstellung "Ein Brief und tausend Pferde" zu sehen. Die Errichtung eines Königlich Dänischen Postamtes als Herz dieser Ausstellung sowie die Präsentation zahlreicher wertvoller historischer Exponate macht den Besuch dieser Sonderschau für ein vielfältiges Publikum besonders interessant.

 

 

Ebenso spannend, wie die Dauerausstellung in Lütau, sind die vom Team des Zugpferdemuseums gestalteten Sonderausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Verkehrsmuseum Dresden zeigte im Jahr 2013 die beeindruckende Schau "Zugpferde. Als Pferdestärken noch starke Pferde waren.", wozu das Zugpferdemuseum Lütau massgeblich beisteuerte.

Zugpferdemuseum Lütau entdecken

Alle wichtigen Informationen für einen Besuch des Zugpferdemuseums:

www.zugpferdemuseum.de

Man sollte sich Zeit nehmen, um all die interessanten Informationen und visuellen Eindrücke rund um die Geschichte der Arbeit mit Zugpferden aufzunehmen. Auf dem Areal des historischen Bauernhofs mit seinen hübschen Gebäuden und reizvollen Gärten lässt es sich wunderbar durchatmen. Wirklich ein sehr schöner Ort, der zum Verweilen einlädt.

Fotos: (c) PferdKultur

up
428 Schleifen
Gefällt mir!
5. Juli 2014 - 10:20