Rewilding Europe | Pferde im Donau-Delta

Rewilding Europe | Pferde im Donau-Delta

Rewilding Europe. Eine europäische Initiative setzt sich tatkräftig für die Renaturierung und biologische Vielfalt in gefährdeten Naturlandschaften Europas ein. Pferde spielen als equine Naturschützer eine signifikante Rolle in der Landschaftspflege – eignen sie sich doch mit ihrem Weideverhalten besonders gut dafür. Eine Zwanzigköpfige Konik-Herde wurde im Dezember 2020 auf einer Insel im ukrainischen Teil des Donaudeltas ausgewildert.

Nach der Umsiedlung von 23 Tieren auf eine Delta-Insel im Jahr 2019 trägt die neue Konik-Gruppe dazu bei, die Naturlandschaft durch Beweidung weiterzuentwickeln und den naturbasierten Tourismus zu unterstützen. Die Ende Oktober aus Lettland umgesiedelten Koniks bewegen sich nun frei im Donau-Delta und werden die Natur durch ihr Grasen und Düngen bereichern. Im Gegensatz zu Rindern wie zum Beispiel Wasserbüffeln, durchwühlen Konik-Pferde auch die Vegetation. Der kombinierte Einfluss von Wildrindern und den Equiden auf die Deltalandschaft ist daher größer als der Einfluss nur einer Art von Pflanzenfressern.

Die Pferde gesellen sich zu einer Herde von 18 Wasserbüffeln. Beide Herden haben sich gut an ihre neue Umgebung gewöhnt. Drei Konik-Fohlen und drei Büffelkälber wurden geboren. “Nach der erfolgreichen Auswilderung von Konik-Pferden im letzten Jahr wird diese erneute Umsiedlung die dringend benötigte natürliche Beweidung im Donaudelta erhöhen”, erklärt Mykhailo Nesterenko, Geschäftsführer von Rewilding Ukraine. “Die neu freigelassenen Pferde werden die bereits freigelassenen und wild lebenden Wasserbüffel, Konik-Pferde und Hirsche im Delta ergänzen, wobei all diese Pflanzenfresser dazu beitragen, vielfältigere Lebensräume und eine reichere Artenvielfalt zu schaffen.”

Europas einzigartiges Feuchtgebiet

Wo die mächtige Donau auf das Schwarze Meer trifft, hat der Strom ein riesiges Deltaland geschaffen. Das größte Feuchtgebiet Europas dehnt sich mit insgesamt 580.000 Hektar in drei Nationen aus: Rumänien, Ukraine, Moldawien. Es ist noch erstaunlich wild, relativ unzerstört und beherbergt viele Arten Wasservögel, vor allem zwei Pelikanarten, Reiher, Störche, Kormorane und Seeschwalben. Das Delta ist ein beliebtes Rastgebiet für Durchzügler und auch Winterquartier für Zugvögel aus den Steppen, Wäldern, Tundren weiter nördlich.

Rewilding Europe - Letea-Wald, Donau-Delta in Rumänien
Letea-Wald, Donau-Delta, Rumänien – Foto: (c) Staffan Widstrand / Rewilding Europe

Im Donau-Delta liegen einige der wenigen verbliebenen beweideten Mosaikwaldlandschaften Europas – die schönen Waldgebiete von Letea und Caraorman. Als fruchtbare Wasserlebensräume sind sie Heimat der größten Vielfalt von Fischarten in ganz Europa. Das Gebiet hat ein beispielloses Potenzial für die Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Insbesondere können die ehemaligen Polder und Seen wieder geflutet und auch wieder eins werden mit der Dynamik der Donau.

Finanziert durch einen Zuschuss in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus dem “Endangered Landscapes Programme”, gefördert von Arcadia, einem von Peter Baldwin und Lisbet Rausing gegründeten gemeinnützigen Fonds, wurden die Bemühungen von Rewilding Europe im grenzüberschreitenden Donau-Delta-Wildnisgebiet Ende 2018 erheblich ausgeweitet. Diese Bemühungen, die die Umsiedlung großer Weidetiere wie Konik-Pferde, Wasserbüffel, der Wildeselart Kulan, Huzulenpferde und Damhirsche beinhalten, konzentrieren sich auf die Wiederherstellung natürlicher Landschaften, ihrer natürlichen Prozesse wie Überschwemmungen und natürliche Beweidung und der damit verbundenen Flora und Fauna auf mindestens 40.000 Hektar des Donau-Deltas in Rumänien, Moldawien und der Ukraine.

Rewilding Europe als Prozess

Rewilding braucht Zeit. Es ist ein Prozess, der zwei Dinge kombiniert – genetische und kulturelle Veränderungen. Es ist ein radikaler Übergang von individueller Fürsorge zu einer Sorge um das ökologische Ganze, in der individuelles Leiden unbedeutend ist. Die Wildtiermanager des jeweiligen Projekts tragen die Verantwortung und entscheiden, je nach vorliegenden Umständen, wie stark auf die natürlichen Prozesse eines Gebiets Einfluss genommen wird.

Natürliche Dynamik als Treiber des Wandels nutzen. Als eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas bietet das Donaudelta eine einzigartige Gelegenheit, ein ganzes Spektrum artenreicher Lebensräume wiederherzustellen – von offenen Ästuar-Systemen, natürlich beweidetem Grasland und ausgedehnten Schilfgebieten bis hin zu Süßwassersümpfen, Küstenlagunen, flachen Seen und Flusswäldern.

“Beim Rewilding geht es darum, den Kräften der Natur zu vertrauen, um Landschaften und Wassergebiete wiederherzustellen”, beschreibt Raquel Filgueiras als Head of Rewilding von Rewilding Europe den Prozess. In Zusammenarbeit mit Partnern arbeitet das Rewilding-Team daran, die ökologische Integrität und die natürlichen Funktionen von 40.000 Hektar Feuchtgebieten und Deltagebieten deutlich zu verbessern, indem es die Prinzipien des “Rewilding” auf Landschaftsebene anwendet. Revitalisierte und sich selbst verwaltende natürliche Prozesse, insbesondere Überschwemmungen und natürliche Beweidung, bestimmen die Landschaftsgestaltung, um die Rückkehr der Wildtiere, eine erhöhte Biodiversität und die Entwicklung einer umweltfreundlichen Wirtschaft vorantreiben.

Das Donaudelta ist eines der Fallstudiengebiete des dreijährigen GrazeLIFE-Projekts. Das Projekt evaluiert die Vorteile verschiedener Landmanagement-Modelle unter Einbeziehung von domestizierten und wilden beziehungsweise halbwilden Pflanzenfressern.

Konik-Pferde dringen weiter ins Wasser vor als Wasserbüffel. Die Analyse von Satellitenbildern hat 2020 ergeben, dass die Vegetation auf der Jermakov Insel im Vergleich zum Vorjahr bereits etwas vielfältiger geworden ist. Das kann mit der Einführung von Pferden und Büffeln zusammenhängen. Rewilding Europe Teams setzten Drohnen und weitere Überwachung ein, um noch mehr Erkenntnisse über die Auswirkung der Beweidung zu gewinnen.

Mehr Informationen zu den vielversprechenden Initiativen zur Renaturierung und Erhöhung der Biodiversität in Europa:

www.rewildingeurope.com
www.rewilding-danube-delta.com

Die European Safari Company bietet Reisen in die Gebiete von Rewilding Europe. Das touristische Konzept soll die Natur, Tierwelt und die lokalen Kulturen an einzigartigen Orten unterstützen.

Titelfoto: 23 Konikpferde entern das Gelände auf der Jermakov Insel im ukrainischen Teil des Donau-Deltas / (c) Andrey Nekrasov / Rewilding Europe

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21. März 2021 Aus