Renée Sintenis Werkschau in Berlin - Bewegung in Bronze

Sintenis Ausstellung Georg Kolbe Museum

Renée Sintenis liebte Pferde - als Bildhauerin schuf sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben anderen Tierfiguren beeindruckende Bronzeplastiken von Pferden. Die außerordentliche Fähigkeit, Bewegung im harten Material zum Ausdruck zu bringen, erschließt sich dem faszinierten Betrachter in der Ausstellung. Besonders beeindrucken Skulpturen von Sportgrößen, wie die Bronze des Läufers Nurmi. In den Porträts von Mensch und Tier wirken Gesichter stets lebendig oder zeigen einen intensiven, konzentrierten Ausdruck.

Die umfangreiche Sintenis-Werkschau im Georg Kolbe Museum in Berlin zeigt mehr als 100 Plastiken. Büsten von Zeitgenossen, Bronzen von Sportlern, Tieren verschiedenster Art - zumeist von kleiner Größe, jedoch feinster Modellierung und Ausdruck. Der Entwurf des jungen Bären zeigt sich in der lebensgroßen Bronzestatue des Berliner Bären, der die Hauptstadtbesucher noch heute, wenn sie mit dem Auto an Dreilinden vorbei, Berlin anfahren, begrüßt. Jährlich werden während der Berlinale die glänzenden Bären an Filmschaffende verliehen. Auch für die wichtige Auszeichnung für Filmschaffende stand der von Sintenis kreierte Bär Pate. Der grafische Entwurf des jungen Bären taucht auch auf Grenzsteinen in der gesamten Bundesrepublik auf - sie zeigen die geografische Distanz zur Hauptstadt an.

Pferde, ob mit oder ohne Reiter, werden während ihres gesamten Schaffens immer wieder von Renée Sintenis modelliert. Ein kurzer Film - die Beobachtung der Künstlerin bei der Arbeit, fasziniert im Georg Kolbe Museum ebenso, wie die ausgestellten Kunstwerke. Als Zuschauer erleben wir, mit welcher Freude, Konzentration, Detailliebe und Feinsinn die Sintenis-Plastiken entstehen.

Fohlen, Bronze - Sintenis
Jagendes Fohlen, 1929, Foto: Bernd Sinterhauf, (c) VG Bild-Kunst

Aufgewachsen in der Natur des Ruppiner Landes entdeckt die als Renate Alice Sintenis 1888 geborene Künstlerin während ihrer Kindheit die Liebe zu Pferden und zu Tieren allgemein; insbesondere junge Tiere stellt sie als Bildhauerin immer wieder feinsinnig dar. Renée Sintenis studierte einige Semester Kunst in Berlin und stand verschiedenen erfolgreichen Künstlern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts Modell - darunter auch der Bildhauer Georg Kolbe und ihr späterer Ehemann, der Maler, Schriftgestalter und Illustrator Emil Rudolf Weiß. In den 1920er Jahren entwickelt sich die Bildhauerin zu einer wichtigen Protagonistin der Berliner Künstlerszene. Mit ihrem androgynen, markanten Äusseren - sehr hochgewachsen und gertenschlank, ihrem emanzipierten Lebensstil, Erfolg und Schaffenskraft verkörperte Renée Sintenis den "Neuen Typ Frau" der Moderne. Sie wird 1931 an der Preußischen Akademie der Künste aufgenommen und während der Nazi-Diktatur wegen "nichtarischer" Vorfahren wieder ausgeschlossen. In der Nachkriegszeit folgen Lehrtätigkeit und weiteres erfolgreiches Schaffen als Künstlerin. Im Jahr 1965 stirbt Renée Sintenis mit 77 Jahren. Von 1945 lebte sie bis zu ihrem Tod mit ihrer Haushälterin und Freundin Magdalena Goldmann in Berlin-Schöneberg zusammen, die als ihre Erbin den Sintenis-Nachlass an die Berliner Nationalgalerie vermachte.

Renée Sintenis, Foto und Selbstbildnis Bronze
Renée Sintenis, 1925 Foto: Frieda Riess (c) ullstein bild 2013
Bronze Selbstporträt Renée Sintenis, 1923, Foto: Bernd Sinterhauf, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Polospieler Bronze, Renée Sintenis
Polospieler, 1929, Foto: Bernd Sinterhauf, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Das Gebäude-Ensemble des heutigen Georg Kolbe Museums, früher Atelier und Wohnhaus Georg Kolbes, wirkt zur Strasse hin geschlossen. Es birgt, unter hohen Kiefern angelegt, einen bezaubernden Skulpturengarten - ein Refugium in der Grossstadt. Zwei streng kubische Ziegelbauten flankieren den Skulpturengarten, dieser und das frühere Wohnhaus, wo heute ein Café mit Piano beheimatet ist, sind der Öffentlichkeit zugänglich.

Geork Kolbe Museum Berlin
Straßenansicht Georg Kolbe Museum, Foto: (c) PferdKultur

Titelbild: Shetlandpony im Wind 1934, Foto: Bernd Sinterhauf, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Abgebildete Ausstellungsfotos unterliegen dem Urheberrecht und sind zur Verfügung gestellt von der Pressestelle Georg Kolbe Museum Berlin.

Ausstellung
Renée Sintenis. Berliner Bildhauerin (1888-1965)
24. November 2013 - 30. März 2014

Adresse: Sensburger Allee 25, 14055 Berlin
S-Bahn: Heerstraße

www.georg-kolbe-museum.de

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12. Januar 2014 - 17:15