Reisen in Mecklenburg – Schlösser und Rösser

Reisen in Mecklenburg – Schlösser und Rösser

Reiseland Mecklenburg. Es gibt viele Wege, den Nordosten Deutschlands zu bereisen – Schlösser und Herrenhäuser zu erkunden und die wundervolle Landschaft zu genießen. Mit dem Auto, dem Fahrrad, im Sattel eines Pferdes und ganz besonders als Passagier einer Kutsche, lässt es sich fernab jeder Schnelllebigkeit in märchenhafte Welten oder vergangene Zeiten eintauchen.

Im gleichmäßigen Rythmus traben die beiden schwarzen Friesenpferde durch das Mecklenburger Land. Bilder idyllischer Landschaften ziehen an den Augen der Kutschenbesatzung vorbei. Der Weg zum Herrenhaus Vogelsang führt durch kleine Dörfer mit Backsteinhäusern, durch Alleen und an satt gelben Rapsfeldern entlang. Pferde grüßen von der Weide. Mecklenburg ist Pferdeland. Die Urlaubsregion bietet viel mehr, als nur Sonnenbaden an den beliebten Ostseestränden. Eine Reise zu Schlössern und Gutshäusern im Nordosten Deutschlands kann als Reiturlaub, Wanderritt oder ganz ohne Pferd ein eindrückliches Erlebnis bleiben.

Eierbox steht auf dem Plakat am Vorgarten eines Hauses im letzten Dorf, bevor der neogotische Schlossbau am Ende des Weges im Blickfeld auftaucht. Etwas Geld einwerfen und das Frühstücksei ist gesichert. Diese Art des Handels basiert auf Vertrauen. Am Ende der Dorfstraße liegt axial das Herrenhaus. Die Kutsche steuert jetzt geradewegs auf eine prächtige Brunnenanlage vor dem imposanten Portal zu. Zum Begrüßungskommitee gehört ein Pfau.

“Wenn die Schönheit der Pferde sich in Zeiten der Neuen Romantik vor der Kulisse einer neogotischen Fassade mit Türmen, Zinnen und Freitreppen widerspiegelt, kann sich kein Reisender entziehen.” – Herrenhaus Vogelsang

Vogelsang liegt in sanft hügeliger Landschaft an der Grenze des Naturparks „Mecklenburgische Schweiz“. Das im tudorgotischen Stil errichtete Herrenhaus ist ein zweigeschossiges verputztes Backsteingebäude in der Gemeinde Lalendorf. Um das Dach herum, verläuft ein Zinnenkranz. Aus einzelnen Zinnen bestehend, galt das ursprünglich zu Wehranlagen gehörende Bauelement als weithin sichtbares Zeichen der hohen gesellschaftlichen Stellung der Besitzer. Es war ihnen erlaubt, ihren Sitz zu bewehren.

Schriftlich erwähnt wird Vogelsang erstmals 1379. Im 19. Jahrhundert wechselten die Eigentümer häufig. Das heutige Herrenhaus mit Parkanlage wurde in den Jahren bis 1840, in der Zeit der Deutschen Romantik, im englischen Stil erbaut. 1884 erfolgte die Änderung in ein abgabenfreies Gut und der Verkauf an den Hamburger Kaufmann Julius Hüniken. Der Kaufmann ließ Park und Herrenhaus 1893 repräsentativ erneuern. Den Hüniken gehörte Vogelsang bis zur Enteignung im Zuge der Bodenreform im Deutschland des Jahres 1945. Anschließend wurde es in der DDR Volkseigenes Gut. Vom ursprünglichen Gutsensemble sind neben Stallungen und Resten der ehemaligen Parkanlage, ein Marstall aus dem Jahr 1897, ein Wasserturm, das Kutscherhaus und das Inspektorenhaus erhalten geblieben.

Innenansicht Herrenhaus Vogelsang
Außenansicht Herrenhaus Vogelsang
Innen- und Außenansicht Herrenhaus Vogelsang. Foto oben: (c) Simone Fust – Foto unten: (c) Herrenhaus Vogelsang

Seit dem Jahr 2010 ist das eindrucksvolle Herrenhaus Vogelsang wieder in Privatbesitz. Der neue Schlossherr Dr. Robert Uhde aus Rostock, ursprünglich Mediziner, dann aber doch lieber Konzepter und Organisator kultureller Veranstaltungen mit seiner Event-Agentur, schafft mit dem Anwesen nach und nach eine Location „außerhalb der Zeit“. Bereits während der noch andauernden Restaurierungsarbeiten finden regelmäßig Veranstaltungen statt: Konzerte, Varieté, Feste – inspiriert vom viktorianischen Zeitalter und Steampunk-Bewegung. Mit der Veranstaltung Pferdegeflüster widmet Herrenhaus Vogelsang ganze zwei Tage dem Pferd: Showprogramm und Workshops quer durch die Reitweisen.

Das Herrenhaus kann für große Feierlichkeiten gemietet werden, Haus und Parkanlage dienten bereits als Location für Film- und Fotoaufnahmen. Zukünftig soll das Anwesen als Wanderreitstation Unterbringungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter bieten. Schloss-Sanierung ist ein kostspieliges Unterfangen. “Wir haben eine Darlehensgemeinschaft für die aufwendige Sanierung des Zinkdachs ins Leben gerufen – 3 Jahre mit Rückgabe, 3,3 % Zinsen und einigen Vergünstigungen beim Feiern und Tafeln bei uns”, sagt Robert Uhde. Geplant sind weiterhin ein Coworkingspace und der Ausbau des Inspektorenhauses für die Nutzung als Wanderreitstation.

Informationen zu Vogelsang, Angebot, Veranstaltungen und Kontakt:
www.herrenhaus-vogelsang.de

Der Landestourismusverband und der Fachverband Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern setzen sich für eine liberale Reitwegeregelung und den Ausbau des Reitwegenetzes ein. “Das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern sollte sein Potenzial als Land zum Reiten nutzen”, so Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer des Landestourismusverbandes. Immerhin entfallen in der Region im Jahr allein etwa 600.000 der rund 30 Millionen Übernachtungen auf Reiturlauber. Diesen stehen zwischen Seenplatte und Ostseeküste insgesamt 6.400 Kilometer Reitwege zur Verfügung. Ein zusammenhängendes Reitwegenetz, das Reitern Rundritte ermöglicht und flexible Routenplanung erlaubt, fordert zusätzlich der Landestourismusverband Mecklenburg-Vorpommern.
Viele der mecklenburgischen Schlösser und Landgüter bieten schon jetzt Unterkunft für Wanderreiter an, wie das Schloss Alt Sammit am Krakower See.

Bereits ab 1600 wurde über die Jahrhunderte auf Alt Sammit große Pferdetradition gelebt. Davon zeugen die Gemälde, die es im Schloss zu entdecken gilt. Zu DDR-Zeiten, in den 1970-er Jahren, hat sich auf Alt-Sammit das Güstrower Gestüt Ganschow etabliert. Vom Jugendherbergs-ähnlichem Reittouristikzentrum wurde preiswerter Reiturlaub, vorwiegend für Kinder, geboten. An frühe DDR-Landwirtschaft erinnert eine sehenswerte Plakatsammlung im typischen Grafikstil – Plakate mit heute meist kurios erscheinenden Weisheiten sollten dem Volk in der Nachkriegszeit landwirtschaftliche Kenntnisse näherbringen. Nach der Wende war das Schloss dem schnellen Verfall preisgegeben. Seit den 90-er Jahren wurde es “in Schuss” gebracht. Heute stehen modern, mit Liebe eingerichtete Wohnungen zur Verfügung – für Nostalgiker, die sich an den Ort ihrer Reiterkindheit zurückbegeben möchten, Wanderreiter, Ruhesuchende oder Reiter und Reiterinnen, die sich auf der benachbarten Reitanlage des Gestüt Ganschows aus- und weiterbilden lassen möchten. Das Reitzentrum Gestüt Ganschow bietet FN-Reitunterricht bis zur Klasse S auf dem eigenen Pferd oder auf Schulpferden.

Schloss Schwerin um 1830
Schloss Schwerin um 1830

Mecklenburg-Vorpommern hat die höchste Schlösserdichte Europas. Auf jedem zehnten Quadratkilometer ein Schloss, über 2000 Schlösser insgesamt. Viele stehen heute immer noch leer und verfallen. Zwischen 200 und 300 der Schlösser bieten Übernachtungen an. Jedem Mutigen, der oder die es auf sich nimmt, aus welchem Beweggrund auch immer, sich eines der einst erhabenen Häuser anzunehmen, es zu sanieren, es im neuen Glanz erstrahlen zu lassen – Baugeschichte zu bewahren, gebührt großer Dank und Respekt. Gut 300 der Schlösser und Landgüter werden touristisch genutzt und sind der Öffentlichkeit zugänglich oder teilzugänglich. Schwerin ist der ideale Start- oder Endpunkt einer Schlösserrundreise in Mecklenburg. Die Landeshauptstadt wartet mit einem prunkvollen “Märchenschloss” auf. Das auf der Schlossinsel gelegene Schloss Schwerin, heutiger Sitz des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern, ist ein im tausendjährigen Prozess historisch gewachsenes, opulentes Bauwerk.

Unweit Schwerins, im Landkreis Ludwigslust-Parchim, liegt das pittoreske Schloss Wendorf.

“Residieren wie die Herzöge im alten Mecklenburg.” – Schlosshotel Wendorf

Das Herrenhaus Wendorf, im Volksmund auch Jagdschloss Wendorf genannt wurde in seiner heutigen Form von 1904 bis 1906 errichtet. Das Gebäude wird derzeit als luxeriöses Hotel genutzt. Feine Salons mit Intarsien und Holzarbeiten im Jugendstil an Decken und Wänden. Das Schlosshotel Wendorf bietet den Luxus eines 5-Sterne Hauses: individuell gestaltete Suiten, Spa im Gewölbekeller, eine Licht durchflutete Orangerie und der weitläufige Schlosspark mit Skulpturen ermöglichen eine Auszeit in der Ruhe und Entspannung des exzeptionellen Ambientes. Wer nicht mehr fahren möchte, um zu speisen, kann dies im anliegenden Restaurant „Cheval Blanc“, fürstlich.

Kunst im Schlosspark Wendorf
Kunst im Schlosspark Wendorf – Foto: (c) Simone Fust

Erstmals erwähnt wurde das Schloss Wendorf im Jahr 1637. Es war damals, bis 1895 im Besitz des Grafengeschlechts von Schack. Ab dem Jahr 1904 ließ ein neuer Eigentümer das Gebäude nach einem Entwurf des Architekten Paul Korff komplett neu errichten. Der zugehörige Park mit einem bis zu 600 Jahre alten Eichenbestand wurde unter Mitwirkung des Gartenarchitekten Reinhold Hoemann gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss als Jugendheim. In folge der Wende wurde es restauriert und im Juni 2009 als Grand Hotel Schloss Wendorf eröffnet.

Das Schlosshotel verfügt über insgesamt neun 5-Sterne Luxus-Suiten im Schloss und weitere Junior-Suiten sowie Doppelzimmer im 4-Sterne-Standard in der Hotel Residenz. Jede einzelne Suite wurde individuell und mit authentischen Antiquitäten ausgestattet. Die edlen Salons, die Bibliothek, die Cigar Lounge, die Orangerie – alles ist bis ins kleinste Detail authentisch gestaltet. Die Schlossterrassen und der Schlosspark mit Badesee wurden nach alten Vorlagen rekonstruiert.

Auf Schloss Wendorf werden Holsteiner Springpferde gezüchtet und ausgebildet. Dort, wo sich einst die Stallungen für die Pferde der alten Burgherren befanden, steht seit 2009 eine Pferdesportarena. Die dient einerseits als Pensionsstall, doch werden auf der Reitanlage auch Turnierpferde der Spitzenklasse professionell trainiert. Der Sieger des Hamburger Derbys 2009, der Mecklenburger Springreiter Thomas Kleis betreibt hier seinen Turnierstall. Profisport, Pferdezucht, Urlaub mit Pferden, herrliche Ausritte und traditionsreiche Schleppjagden mit der Mecklenburger Meute – die Kulisse des Schlosshotels bietet den perfekten Rahmen für anspruchsvollen (Reit)urlaub. Und wer lieber Golf spielen möchte, darf sich über einen in unmittelbarer Nähe liegenden ausgezeichneten Golfplatz freuen.

Alles wissenswerte für luxeriösen Landurlaub, eine Auszeit im Schlosshotel Wendorf mit oder ohne Pferd: www.schlosshotel-wendorf.de

Wolkenformationen wie Gemälde über der Weite der Mecklenburger Landschaft. Erdige Brauntöne, strahlendes Gelb, Grün in den verschiedensten Farbabstufungen. Äcker wechseln mit voll in der Blüte stehenden Rapsfeldern. Sanfte Hügel. Die sich den Reisenden bietenden Landschaftbilder sind abwechslungsreich. An dem einen Tag gefallen die satten Farben der Felder, am nächsten – die Bauminseln darin. Liebliche Dörfer, Alleen, die vielen Seen, reichlich Wald, wenig Menschen und nicht so viel Verkehr auf den Straßen machen eine Umgebung aus, in der das Gemüt zur Ruhe kommt und die Sinne wacher werden.

Es ist allerdings nicht diese Landschaft, in der man Gauchos und Criollopferde vermuten würde. Und doch gibt es sie:

“Wo die Mecklenburger Gauchos wohnen …” – Gut Dalwitz

Auf Gut Dalwitz in der Gemeinde Walkendorf können sich die Gäste wie südamerikanische Kuhhirten fühlen und zu Pferd beim Ein- und Umtreiben der Rinder helfen. Den weniger Geübten werden gutmütige Criollopferde für das Westernreiten nach Gaucho-Art bereit gehalten. Der Criollo [kriˈɔljo] ist ein südamerikanisches Arbeitspferd, das auch im Polosport zum Einsatz kommt. Pferderassen des Criollo-Typs gibt es üblicherweise in Argentinien, Uruguay, Brasilien, Chile, Paraguay, Peru, der Karibik und Venezuela. Gut Dalwitz ist ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb. Ackerbau und Viehzucht sind keine Urlaubskulisse, sondern der Mittelpunkt eines ökologischen und nachhaltigen Wirtschaftssystems.

Gut Dahlwitz Scheune
Südamerikanisches Flair in der Mecklenburger Schweiz auf Gut Dalwitz
Südamerikanisches Flair in der Mecklenburger Schweiz auf Gut Dalwitz – Fotos: (c) Simone Fust

Das Adelsgeschlecht derer von Bassewitz fand bereits im späten Mittelalter urkundliche Erwähnung. Seit 1349 ist das Land um den Ort Dalwitz in ihrem Besitz. Nach Enteignung und Flucht der Familie, 1945, wurde Gut Dalwitz als Landwirtschaftsbetrieb verstaatlicht. Dr. Heinrich Graf von Bassewitz und seine Frau, Lucy Gräfin von Bassewitz kamen 1992 aus Südamerika, um den landwirtschaftlichen Betrieb neu aufzubauen. Sie nahmen die Renovierung des Hofes mit Wirtschaftsgebäuden ambitioniert in Angriff. Der promovierte Agrarökonom hatte als Projektleiter längere Zeit in Uruguay gearbeitet. Die Idee, in den sanierten Hofgebäuden Ferienwohnungen einzurichten, ist aus der Notwendigkeit entstanden, die Gebäude sinnvoll zu nutzen.

Liebevoll renoviert und im Landhausstil gehalten, zeigt sich bei der Einrichtung die Handschrift der Gutsherrin Lucy von Bassewitz und ihre uruguayische Herkunft: Südamerikanisches Flair in den hellen geschmackvoll eingerichteten Ferienwohnungen. Besonders beliebt ist das „Asado“, das im Sommer bei gutem Wetter stattfindende Grillfest. Ein anderer beliebter Treffpunkt ist die „Remise“, das Hofrestaurant im alten Pferdestall.

Eines der Gebäude der Gutsanlage Dalwitz - Foto: (c) Simone Fust
Eines der Gebäude der Gutsanlage Dalwitz – Foto: (c) Simone Fust

Informationen zum Landgut, zur Criollozucht, Reiten,
zu einer kurzen Landpartie und zum ausgiebigen Landurlaub : www.feriengutdalwitz.de

Mecklenburg kann zu jeder Jahreszeit, selbst bei Nieselregen, ein Genuss sein. Vor allem dann, wenn man ein Hotelzimmer im äußerlich hochherrschaftlich erscheinenden Schloss Kaarz hat.

“Wollen Sie im Gärtnerinnenzimmer, im Milchmädchenzimmer oder im Turmzimmer schlafen?” – Schloss Kaarz mit Park

Das Interieur ist äußerst geschmackvoll und so gewählt, dass sich Mecklenburgreisende gleich zuhause fühlen. Schloss Kaarz gehört zur Gemeinde Weitendorf im Amt Sternberger Seenlandschaft, es bildet den Mittelpunkt einer Gutsanlage. Das Schloss wird touristisch als Hotel, Café und Restaurant genutzt. Als Schlosshotel bietet es 22 einzigartige Zimmer, Suiten und Appartements. Jeder Raum hat seine einmalige Gestaltung. Originelle Ideen wie Wärmflaschen auf den Betten, Regenmäntel am Haken vor den Zimmern im Hotelflur, eine Sammlung Gummistiefel, aus der sich jeder ein Paar leihweise auswählen darf, machen den Hotelaufenthalt auf Schloss Kaarz besonders liebenswürdig.

Tapeten mit unterschiedlichen Mustern, mit originellen Motiven bedruckte Kissen, rustikale Kleiderständer aus grobem Holz. Mal schlichter – mal opulenter, jeder Raum ist anders. Passend zur Einrichtung und Lage hat jedes Hotelzimmer einen individuellen Namen.

Innenansicht Hotelflur im Schloss Kaarz - Foto: (c) Simone Fust
Innenansicht Hotelflur im Schloss Kaarz – Foto: (c) Simone Fust

Das Gut Kaarz wurde im 17. Jahrhundert gegründet. Im Jahr 1872 kaufte es der Hamburger Reeder und Kaufmann Julius Hüniken. Er ließ das heutige Herrenhaus errichten und den Park anlegen. Nach dem Tod von Julius Hüniken 1891 ging das Gut an dessen Sohn, der ab 1902 Umbauten im Schloss durchführen und den Park zu einem englischen Landschaftspark umgestalten ließ. Die Fassade des neoklassizistischen Herrenhauses ist zurückhaltend dekoriert, auffallend ist der große Turm im Stile eines Monopteros mit seiner gusseisernen Wendeltreppe. Im Inneren des Schlossbaus blieben nur wenige originale Ausstattungselemente erhalten, wie der Kamin im Roten Salon und die Deckenmalerei im Foyer. Unterbrechungen im Stuck der kleinen Bibliothek weisen auf Umbauten für das Altenheim hin, als das Kaarz zu DDR-Zeiten diente.

In der mecklenburgischen Endmoränenlandschaft rund um das Schloss entstand 1873 nach Plänen von Carl Ansorge, einem Schüler des berühmten Gartenbaumeisters Lenné, auf 70.000 Quadratmetern der neo-barocke Park mit seltenen Bäumen. Später wurde der Park im englischen Landschaftsstil umgebaut. Als besondere Kostbarkeit der Parkarchitektur wurde der als Arboretum angelegte Park Anfang des 20. Jahrhunderts im Jahrbuch der „Königlich dendrologischen Gesellschaft“ beschrieben und steht heute auf der nationalen und europäischen Denkmalliste.

Außenansicht des neoklassizistischen Bauwerks Schloss Kaarz - Foto: (c) Simone Fust
Außenansicht des neoklassizistischen Bauwerks Schloss Kaarz – Foto: (c) Simone Fust

Im Schlosspark und im Schloss selbst, sind Kunstwerke ausgestellt. Kunst gegen Bett. Im Treppenhaus hängen Bilder einer Fotokünstlerin, welche auf Schloss Kaarz eine Art Resident-Stipendium hatte. Bewerbungen werden fortlaufend entgegengenommen. Ziel des Aufenthalts ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Schloss Kaarz, der Umgebung oder der Region.

Gaumenfreude in der Gastronomie von Schloss Kaarz - Foto: (c) Simone Fust
Gaumenfreude in der Gastronomie von Schloss Kaarz – Foto: (c) Simone Fust

Im Schloss wird mit regionalen und lokalen Produkten gekocht, vielfach in Bioqualität. Fisch aus der Region, Geflügel und Rind von umliegenden Bauernhöfen, Honig vom lokalen Imker. Hausgemachte Apfelprodukte stammen meist von Äpfeln aus dem Schloss-Obstgarten.

Im Roten Salon wird morgens das opulente Schlossfrühstück serviert – abends festlich aufgedeckt und getafelt. Tradition hat das sogenannte Familienessen auf Schloss Kaarz. Es knüpft daran an, alle Familienmitglieder um einen großen Tisch zu versammeln und dann gemeinsam zu speisen. Es gibt ein Gericht für alle. In Schüsseln und Schalen wird das Essen serviert und jeder nimmt sich nach Geschmack und Laune. Das Angebot an Familiengerichten wechselt monatlich: Zum Beispiel Königsberger Klopse, Mecklenburger Kloppschinken, gefüllter Rippenbraten und in der Vorweihnachtszeit Ente.

An der Bar einen Cocktail trinken und hinaus in den Park schauen, die Gedanken ziehen lassen. Besonders erfrischend ist der alkoholfreier Cocktail mit Lemon und Basilikum. Unbedingt probieren!

Alles Wissenswerte zu Schloss Kaarz mit Park: www.schlosskaarz.de

Schloss Kaarz gehört zur Liebschaft Mecklenburg. Weiterer Teil der Liebschaft ist das Gut Vorbeck mit anliegendem Winston-Golfplatz. Beliebt als Unterkunft für Golfer, bietet das Gut mit einer Reitanlage für Dressur- und Springreiten auch Unterkunft in Verbindung mit Reitunterricht auf dem eigenen Pferd und mit Schulpferden für Reiter und Reiterinnen jeden Alters. Wanderreiter und Reiter anderer Disziplinen sind ebenfalls willkommen. Besonders schön ist das originell eingerichtete Hofcafé. Auf den Bänken der modern geschnittenen Fenster stehen Sammlungen von Gefäßen aus früheren Zeiten, besonders gefällt die Teekannensammlung. Großzügige Ländereien sind idealer Ort für lange Spaziergänge und Wanderungen. Am Gut Vorbeck ist eine Kanustation installiert. Wem das noch nicht genug Abwechslung bereitet: Historische Kutschen für fast jeden Zweck stellt das Mecklenburgische Kutschenmuseum in Kobrow aus. Vor der kurzweiligen Führung lädt der riesige runde Tisch zum Verweilen bei Tee oder Kaffee und Kuchen ein. Und wer den Blick dann nach oben schweifen lässt, entdeckt die ländlich traditionellen Erntekronen.

Die Vielfalt des Angebots der Schlösser, Herrenhäuser und Landgüter in Mecklenburg ist enorm, für jede Zielgruppe hat das Mecklenburger Land schöne Erlebnisse “im Gepäck”. Mehr Reiseideen zu herrschaftlichen Häusern mit Entspannung- oder Aktivangebot zeigen unten aufgeführte Webseiten und Literatur.

Mehr Informationen zu Urlaub in Mecklenburgs Schlössern und Landgütern

Eine Schlössersafari durch Mecklenburg in Bildern:

Alle Fotos des Beitrags:  (c) Simone Fust – sofern nicht anders angegeben

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7. September 2019 Aus