Oktoberfest in München – Pferde, Dirndl, Gerstensaft

Oktoberfest in München – Pferde, Dirndl, Gerstensaft

Die Wiesn – das Oktoberfest in München zieht alljährlich unzählige Besucher aus der ganzen Welt an und es bietet den Münchnern und Menschen aus dem weiteren Umland gute zwei Wochen ausgelassenen Feierns ihrer Traditionen. In Trachten, Dirndl und Lederhose, mit kulinarischen Schmankerln wie Brezen und Obazda, Steckerlfisch und natürlich, Produkte heimischer Braukunst, geht es urbayrisch zu auf der Theresienwiese. Das Bier bringt, zumindest noch symbolisch, auf die Wiesn – das Pferd.

Viele Pferde sind es, die beim Einzug der Wiesenwirte in schmuckvollem Geschirr vor den Brauereikutschen im Einsatz sind. Große starke schwere Rösser ziehen die Wagen mit den Bierfässern. Bayerische Kaltblutpferde sicher, wir sehen aber auch vielfach, als ‘Preiß’ muss ich es erwähnen, das Rheinisch-Deutsche Kaltblut in heller und dunkler Fellfarbe vor den bayerischen Bauereiwagen.

Oktoberfest - Foto: (c) Thorsten Naeser
Oktoberfest – Foto: (c) Thorsten Naeser
Brauereigespann - Foto: (c) Robert Hertz
Brauereigespann – Foto: (c) Robert Hertz

Dieser Tage ein Rummel mit modernen Fahrgeschäften und großen Bierzelten, begann das Oktoberfest im Jahr 1810 als Volksfest zu Ehren der königlichen Vermählung des Kronprinzen Ludwig, später König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Das riesige fünf Tage währende Festtreiben in der Münchner Innenstadt fand am 17. Oktober seinen Abschluss mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens. An diesem Platz, benannt nach der Gemahlin König Ludwigs, findet bis heute das Münchner Volksfest statt. Man beschloss, das publikumswirksame Pferderennen im folgenden Jahr zur gleichen Zeit zu wiederholen; damit entstand die alljährliche Tradition des Oktoberfests. Das Pferderennen wurde nach 1938 nicht mehr durchgeführt.

In der Geschichte des Oktoberfests wandelte sich das Bild, dem Zeitgeist und den Ansprüchen der Besucher und Gastronomen entsprechend. Aus kleinen Bierbuden wurden regelrechte Bierburgen. Um die Jahrhundertwende kam das Jahrmarkttreiben mit Skurilitäten und immer mehr Fahrgeschäften zur Volksbelustigung hinzu. Das erste Karussell und die erste Schaukel konnten die Besucher bereits im Jahr 1818 bewundern und ausprobieren. In der Grundstruktur blieb die Wiesn gleich – das Erscheinungsbild der Fahrgeschäfte und Marktstände wandelte sich mit den Gestaltungstrends der Jahrzehnte und technischem Fortschritt.

Pferderennen anno 1823
Pferderennen anno 1823
Oktoberfest um 1900
Oktoberfest um 1900

Zum Oktoberfest-Jubiläum im Jahr 2010 wurde die sogenannte “Oide Wiesn” mit ihren historischen Fahrgeschäften und Marktständen rekonstruiert. Sogar das Pferderennen wurde ausgetragen – allerdings vornehmlich mit Kaltblutpferden. Ursprünglich waren die Jockeys mit grazileren Pferden unterwegs. Im Jubiläumsjahr konnten die Wiesn-Besucher die Geschichte des Oktoberfests in einem Museum bestaunen und die alten Karussels und Kuriositäten tatsächlich ausprobieren. Was allen so viel Freude gemacht hat, ist seither fester Bestandteil als historischer Teil der Wiesn.

Wenn man nicht wüsste, dass Lola Paltinger mit ihrem Label Lollipop & Alpenrock schon im Jahr 1999 gestartet ist, könnte man meinen, dass Sie sich für ihre Dirndlkreationen mit Stilelementen der 50er Jahre, vom historischen Oktoberfest hat inspirieren lassen. Die Fahrgeschäfte der Oidn Wiesn begeistern durch ihre Farbenfreude und Liebe zum Detail – die modischen und verspielt erscheinenden Lola Paltinger Dirndl erfreuen das Auge mit lebhaften Farbkombinationen, Details aus kostbarer Spitze, traditionellen Trachtenmaterialien und opulenten, teils sogar handbemalten Stoffen.

Nach den Dirndln aus der Linie Lollipop & Alpenrock, begeistert die Modedesignerin eine Klientel aus hiesigen und internationalen, teils aus Hollywood angereisten Oktoberfest-Besucherinnen mit Modellen aus den Kollektionen Happy Heidi, Lola Paltinger Couture, fein bestickten Lederhosen, Trachtenjankern und Blusen, Wäsche und Accessoires. Mehr dazu auf der Lola Paltinger Website.

HAPPY HEIDI Dirndl Mode von Lola Paltinger
HAPPY HEIDI – Links: Jacquard, zartrosé mit handbestickter Samtschürze, Hirschbrosche, Spitzenunterrock; Spitzenbluse SALZBURG – creme; Haarschmuck MISS LILLY`S HATS; Rechts: Hochgeschlossene Spitzenbluse; Mieder Marie mit handgestickten Borten; Glockenrock und gepatchte Schürze mit Bortenverzierungen – Fotos: Martin Nink Photography
Lederhose: Ziegenvelours mit Stickereien, Vichy-Karo-Weste mit Stickereien im Rückenteil, Bluse PEGGY - Foto: Martin Nink Photography; Rechts: Lola Paltinger Dirndl - Foto: jacklinfotos.com
Lederhose: Ziegenvelours mit Stickereien, Vichy-Karo-Weste mit Stickereien im Rückenteil, Bluse PEGGY – Foto: Martin Nink Photography; Rechts: Lola Paltinger Dirndl – Foto: jacklinfotos.com

Traditioneller erscheinen die Dirndl der Modedesignerin Lena Hoschek. Die erstklassigen Trachtenstücke der aktuellen Herbst/Winter Kollektion führen eine formal überraschend strengere Linie. Die gebürtige Grazerin ist als Designerin von eigenwilliger, keinem Trend folgender Mode mit einem Schwung aus Punk und Rock’n Roll bekannt – offensiv und feminin. Burlesque-Tänzerin Deeta von Teese kleidet sich in Lena Hoschek Entwürfen.

Dass Lena Hoschek in ihrer Linie “Tradition” die Bedeutung des Titels ehrlich und praktisch umsetzt, wundert einen nicht, wenn man auf ihrer Website folgendes nachliest: “Gemeinsam mit ihrer Großmutter Aloisia schneidert Lena Hoschek ihr erstes Dirndl im Alter von 13 Jahren und entwickelt dabei ihre Leidenschaft für das traditionelle Handwerk. Mit dem eigenständigen Trachtenlabel „Tradition“ feiert Lena Hoschek die Tracht als kostbares Kulturgut.” Genauso wie ihre Mode-Kollektionen, welche auf den Laufstegen der Berliner Fashion Week zu sehen sind, werden die Trachten-Kollektionen mit wertvollen Stoffen in reiner Handwerkskunst gearbeitet. Kunstwerke aus schönsten Seidenjacquards, weichstem Walk aus Südtirol, handgearbeiteten Rüschen und edlen Samtbändern. Aktuell der Jahreszeit entsprechend gedecktere Farben in den Kleidern mit Bändern und Borten in leuchtenden Farben kombiniert, geben den traditionellen Werken Eleganz und einen unverwechselbaren Flair.

Dirndl MARIE, Dirndlbluse FEISTRITZ; Dirndl PAULA, Dirndlbluse ENNS - Foto: Lupi Spuma
Dirndl MARIE, Dirndlbluse FEISTRITZ; Dirndl PAULA, Dirndlbluse ENNS – Foto: Lupi Spuma
GRETL Kleid - schoko; Dirndl PAULA, Dirndlbluse ENNS - Foto: Lupi Spuma
GRETL Kleid – schoko; Dirndl PAULA, Dirndlbluse ENNS – Foto: Lupi Spuma

Was gibt’s sonst noch an der Dirndl-Front? Dirndl gibt es natürlich in allen Preisklassen und als Billigware aus Fernost. Die meisten Lederhosen, die über das Oktoberfest getragen werden, kommen aktuell aus China. Wer jedoch großen Wert auf das besondere Detail und hohe Qualität in Material und Verarbeitung legt, ist bereit, mehr Geld für ein besonderes Stück zu investieren. Alternativ: DIY – Dirndl selber nähen oder sich eines bei meindirndl.de zusammenklicken. Seit der Wiesn 2013 sind Trachten-Hüte in allen Farben und mit Federschmuck schwer angesagt. Solide schicke Hüte gibt es beim österreichischen Hutmacher Zapf – hier könnte, wer es mag, einen klassich-schönen Hut bestellen und mit Federschmuck von Hut und Feder aufschmücken – jeden Tag anders und in allen Größen. Mei, die Männer wollen sich ja auch a bisserl rausputzen für die Wiesn. Beim Klassiker Frankonia findet der potentielle Wiesnbesucher bestimmt etwas in Sachen Tracht und Tradition. Und wer es wieder einmal nicht heim schafft: der Schmankerlkorb Wiesn-Franz für Exil-Bayern – alles dabei von Weisswürscht, über Hefeweißbier und Oktoberfest-Märzen bis Bierpralinen und handgepflücktem Wildkräutertee.

Und wem der Wiesnwahnsinn in München doch zu viel werden sollte, kann dem Ganzen natürlich auch entfliehen, zum Beispiel bei einem schönen Stück Kuchen im Ruffini in Nymphenburg. Mit Glück wärmen einen auf der Dachterasse noch die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers. Ein Besuch auf dem Viktualienmarkt lohnt sich immer – nirgendwo in Deutschland habe ich schönere und üppigere Märkte gesehen als in Bayern. Der Viktualienmarkt in München’s Innenstadt ist ihr König.

In diesem Beitrag verwendete Fotos wurden PferdKultur freundlicherweise zur hiesigen Abbildung zur Verfügung gestellt von den Unternehmen Lena Hoschek, Lola Paltinger, der Abteilung Tourismus der Landeshauptstadt München. Titelbild: (c) Thorsten Naeser

Fashion Links:
www.lenahoschek.com
www.lolapaltinger.de
www.mein-dirndl.com
www.frankonia.de

Oktoberfest München:
www.bier-und-oktoberfestmuseum.de
www.oktoberfest.info
www.muenchen.de
www.oktoberfest.de

Wiesn heute:

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1. September 2019 Aus