Konik – Pferde als Landschaftspfleger

Konik – Pferde als Landschaftspfleger

Konik – polnisch Pferdchen, kleines Pferd. Die robuste Ponyrasse aus dem mittel- und osteuropäischen Raum stammend, wird neben Przewalski-Pferden, Wisenten und Rinderarten immer häufiger als Landschaftspfleger in deutschen und europäischen Naturschutzgebieten eingesetzt. In der Geltinger Birk an der Ostsee, im polnischen Białowieża-Nationalpark, Oostvaardersplassen in den Niederlanden und auch in Berlin-Brandenburg.

Die tierischen Landschaftsgestalter leben in extensiver Landwirtschaft weitgehend sich selbst überlassen in Gehegen. Nahezu wild leben die Pferde in großflächigen Gebieten der jeweiligen Region. So auch im Norden von Berlin: in der sich weit bis in das benachbarte Brandenburg erstreckenden, renaturierten Rieselfeldlandschaft hinter dem S-Bahnhof Buch. Nahe dem Bahnhof beginnt schon die Naturidylle des länderübergreifenden Naturpark Barnim. Die für Bahndämme typischen Brombeersträucher, ein kleiner See, Wiesen und Wälder. Wer weiter geht, gelangt in das mit Rindern und Pferden beweidete Gebiet.

Die vorwiegend mit Konikpferden und englischen Parklandschaftsrindern besiedelten Flächen in der artenreichen und halboffenen Waldlandschaft können von Besuchern durchwandert werden. Ruhesuchende Städter teilen sich die abwechslungsreichen Landschaftsbilder mit den freilebenden Weidetieren und natürlich angesiedelter Fauna. Birkenhaine, kleine Seen. Nadelwaldflächen wechseln sich mit Mischwald, teils steppenartig anmutenden Wiesen und Weiden ab.

Pferde in den Rieselfeldern bei Berlin-Buch
Hengst in den Rieselfeldern bei Berlin-Buch

2011 wurden die ersten Konikpferde und Weiderinder in diesem Gebiet angesiedelt. Im zunächst bis 2015 geplanten Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ sollten sich Naturschutz, Forstwirtschaft und Naherholung gegenseitig fördern und ergänzen. Nach der Erprobungsphase wurde das Projekt fortgeführt. Es wurde vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Berlin/Berliner Forsten, dem Naturschutzfonds Brandenburg und weiteren Partnern gefördert, Projektträger ist der Förderverein Naturpark Barnim e.V.; die Betreuung der Weidetiere und Zaunanlagen übernimmt die Agrar GmbH Gut Hobrechtsfelde mit Stammsitz im Thüringischen Crawinkel, wo von dem Unternehmen die Thüringeti, ein ähnliches Projekt mit beinahe wild lebenden Pferden unterschiedlicher Rassen und vielen anderen Tierarten geführt wird.

Die Koniks sind nicht sehr scheu, teils sogar ausgesprochen neugierig. Wer die Weideflächen betritt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es zu Begegnungen mit Pferde- oder Rinderherden kommen kann. Schilder an den Zäunen machen darauf aufmerksam, dass auch eine Begegnung mit dem Rinderbullen möglich sein kann. Das Video zeigt eine kleine Hengstgruppe.

Das Konik ist keine Wildpferde-Art im strengen Sinne, denn sie sind genetisch auch auf Hauspferderassen zurückzuführen. Jedoch handelt es sich bei diesen recht gedrungenen Pferden um eine robuste Rasse, die immer auch frei – sich selbst überlassen in der Natur lebte und bis weit in das 18. Jahrhundert in Polen sogar gejagt werden durfte. Die Koniks ähneln den im Münsterland ansässigen Dülmener Pferden. Die Ähnlichkeit hat seinen Grund: Konik-Hengste haben in der Vergangenheit die Dülmener Wildpferde gedeckt – eine seit dem 19. Jahrhundert im weitläufigen Gehege des Merfelder Bruch lebende Herde von rund 400 Pferden.

Auf den begehbaren Großweiden von mehr als 800 Hektar der Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde besteht die Möglichkeit, eine sich stetig weiterentwickelnde Struktur- und Artenvielfalt zu erleben. Die dort eingesetzten Pferde wirken als Landschaftspfleger; wie ihre anderen tierischen Kollegen dienen sie der Landschaft als Nahrungssuchende Pflanzenfresser und helfen, ihre Umgebung auf natürliche Weise zu pflegen. Mit ihren Hufen graben die Koniks Wurzeln sich ansonsten zu stark ausbreitender unerwünschter Pflanzen aus, um sich mit den darin enthaltenen Nährstoffen für den Winter zu stärken. Die eingesetzten robusten Weidetiere kommen mit einer ganzjährigen sich beinahe komplett selbstversorgenden Lebensweise prima zurecht. Die Fütterung der Tiere durch Besucher ist untersagt! Das könnte ihren Organismus in ein gefährliches Ungleichgewicht bringen und die selbst für ihre Nahrung sorgenden Weidetiere krank machen. Am besten verhalten sich Besucher möglichst unauffällig in der Natur und bleiben auf Abstand zu den Tieren. Der Mensch soll nicht aktiv in das bestehende Ökosystem eingreifen.

Wer einen Besuch im Naturpark Barnim plant, sollte sich zuvor über Regeln im Umgang mit den Weidetieren informieren.

Wissenswertes über die Weidebewirtschaftung der Reiselfeldlandschaft:
Weidetiere in der Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde
Agrar GmbH Gut Hobrechtsfelde

Fotos: (c) Simone Fust / PferdKultur

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2. September 2019 Aus