Film: In My Room, der letzte Mensch.

In My Room Kinofilm mit Pferd

Der Filmtitel erinnert an einen traurigen Song der Beach Boys, „In My Room”... „Now it‘s dark and I‘m alone, but I won‘t be afraid, in my room...” Der gleichnamige Film thematisiert ein Endzeitszenario in dem Armin der letzte Mensch zu sein scheint. Als er eines Morgens aufwacht, ist es totenstill. Die Welt sieht aus wie immer, aber die Menschheit ist verschwunden.

Der Film beginnt mit einem vollkommen misslungenen Arbeitseinsatz und der folgenden Auseinandersetzung mit Armin's Chef. Am Abend geht es in den Club, den Frust des Arbeitsalltags wegtanzen. Erfolgreich ist Armin zumindest darin, ein Mädchen in seine Wohnung zu bekommen. Als es mit dem Sex doch nichts wird, "naja dann auch egal". Die Hauptfigur von In My Room ist nicht mehr ganz jung, einsam, recht teilnahmslos. Armin ist auch nicht gerade der Typ Mann, der für etwas einsteht, richtig kämpft. Er nimmt es wie es kommt. Einer, den frau eher nicht geschenkt haben möchte. Was sollte sie auch mit einem, und selbst wenn es der letzte Mann auf der Welt wäre, der beim geringsten Problem sich gleichgültig umdreht und "kneift", in einer Welt voller Gefahren und möge diese noch so viel Freiheit bieten.

"Wie die Hauptfigur Armin bin ich - und viele andere meiner Generation - in einem liberalen Elternhaus ohne existentielle Nöte aufgewachsen. Nach der Schule standen viele Wege offen. Weder die Berufswahl noch die Gründung einer Familie waren Automatismen, der Raum des Möglichen schien unbegrenzt. Das Gefühl jederzeit neu anfangen zu können, gehört genauso zu meiner Identität, wie die Weigerung sich materialistischer Logik und Sicherheitsdenken zu unterwerfen." - Der Regisseur Ulrich Köhler (Bungalow 2002, Montag kommen die Fenster 2006) hat mit In My Room einen Film über die beängstigende Seite der Freiheit gemacht. Ein Film der in der ersten Hälfte mit quälendem Realismus seiner Hauptfigur in die Heimat folgt, wo die Zuschauer Armin's Oma beim Sterben zusehen und Armin dabei zusehen, wie er sich die Zähne mit Zahnseide reinigt, ihm dabei zusehen, wie er den Kaffee beim Durchlaufen durch die Kaffeemaschine beobachtet. Wer das alles überstanden hat, begleitet Armin von der Kleinstadt in die Welt ohne Menschheit, die durchaus einige eindrucksvolle Endzeitbilder in trister Schönheit aufbieten kann. In der zweiten Hälfte des Films beginnt der Mann plötzlich Beziehungen aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen, zunächst zu Tieren, um die er sich fürsorglich kümmert und für die er auch kämpfen möchte, bis er schließlich auf die letzte Frau trifft.

Armin baut sich einen Lebensraum, kümmert sich um den Garten, bestellt ein Feld mit einem Pferd. Manchmal reitet er mit seiner schweren Kaltblutstute durch die Landschaft und durch verlassene Dörfer. Nach einem Zwischenfall, trifft er dann Kirsi.

Kirsi ist eine autonome Person, die als Nomadin in ihrem Van lebt. Nach anfänglichem Misstrauen entwickelt sich zwischen Armin und Kirsi eine romantische Beziehung. Doch es bleibt die Frage, ob wenn der letzte Mann und die letzte Frau sich treffen, zwangsläufig ein Paar aus ihnen werden muss.

Buch und Regie von In My Room - Ulrich Köhler. In den Hauptrollen Hans Löw und Elena Radonicich, für die Kamera zeichnet Patrick Orth verantwortlich. Produziert haben Pandora Film in Koproduktion mit der italienischen Echo Film, Komplizen Film, WDR und ARTE.

Ab 8. November 2018 im Kino

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9. November 2018 - 19:55