Das Salz der Erde – Film über den Fotograf Salgado

Das Salz der Erde – Film über den Fotograf Salgado

Das Salz der Erde. Vielschichtige, feinsinnige Dokumentation über Leben und Werk des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Wim Wenders portraitiert einen Mann der die Menschen liebt, einen Fotografen der die Schönheit und die Grausamkeit der Menschheit in schwarz-weißer Tiefe seiner Bilder zum Ausdruck bringt.

Ich habe mich gefragt, ob ein Dokumentarfilm mit und über fotografische Arbeiten funktionieren kann. Verlieren die Fotos nicht vielleicht doch an Ausdrucksstärke und verliert das Medium Film womöglich an Erzählkraft? Mein Zugang zu diesem filmischen Meisterwerk über das Schaffen eines Meisters der Fotografie war nicht sehr geradlinig. Bereits im Jahr 2014 in den Kinos gestartet, vielfach ausgezeichnet und für den Oskar 2015 in der Kategorie Dokumentarfilm nominiert, war Das Salz der Erde nun in der Ardmediathek abrufbar. Das bot zwar die wunderbare Gelegenheit, sich intensiv mit der Dokumentation auseinanderzusetzen, denn der Film verliert auch nach Mehrfachbetrachtung nicht an Strahlkraft und Potential als Inspirationsquelle, doch wünschte ich heute, den Film damals auf der großen Leinwand gesehen zu haben.

Der Brasilianer Sebastião Salgado ist ein sozialdokumentarischer Fotograf. Mit seinen Bildern hat er jahrzehntelang Missstände auf der Welt festgehalten. Das Salz der Erde nimmt nicht nur die Berufung und das Werk Salgados in den Blick. Der Film beleuchtet zudem familäre Bindungen, seine Wurzeln und die Beziehung zwischen Sebastião und seinem Sohn Juliano Ribeiro, der als Co-Regisseur von Wim Wenders und zugleich in der Rolle eines Protagonisten in Erscheinung tritt.

Wim Wenders nimmt uns mit auf die Lebensreise von Sebastião Salgado. Wir lernen seine Heimat Brasilien kennen, bereisen mit ihm verschiedene Kontinente, treffen die unterschiedlichsten Menschen und lernen viel über die Fotografie und die Gestaltung von ausdrucksstarken Bildern.

Dokumentarfilm im Ersten, Das Salz der Erde, Wim Wenders und Sebastião Salgado
Dokumentarfilm im Ersten, Das Salz der Erde, Wim Wenders und Sebastião Salgado, Foto (c) NFP/ Fotografin Donata Wenders

Sebastião Salgado wurde 1944 in Aimorés, Minas Gerais, Brasilien geboren. Er lebt in Paris. Zunächst arbeitete der ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler an Entwicklungshilfeprojekten in Afrika mit, bevor er 1973 in Paris eine Karriere als Profi-Fotograf startet. Seine Bilder sind uns häufig in großen Magazinen begegnet. Dekaden hindurch, hat der Fotograf die humanitären Katastrophen dieses Planeten dokumentiert. Nicht selten wurde ihm vorgeworfen, das Elend zu ästhetisieren. Doch waren es vielfach seine Fotos, welche die Kraft hatten, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Geschehnisse und Hintergründe zu lenken. Immer wahrte er die Würde der Opfer. Schönheit und Elend in einem Bild – die Menschheit trägt beides in sich, die Schönheit der Seele und das grausame Handeln.

„Wir sind bösartige, schreckliche Tiere, wir Menschen. Egal, ob in Europa, in Afrika oder in Südamerika, überall sind wir extrem gewalttätig.“

Nachdem Salgado in den kongolesischen Camps, die den vor dem Völkermord in Ruanda Geflüchteten Auffang boten, fotografiert hatte, konnte er seinen Beruf nicht mehr in der Weise ausüben, wie die Jahrzehnte zuvor. Gemeinsam mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado, die immer auch an den fotografischen Projekten in konzeptioneller und organisatorischer Form beteiligt war, übernahm er die Farm seines Vaters in Brasilien. An diesem Ort bauten sie ein Projekt auf, zur Wiederaufforstung der Mata Atlántica – des atlantischen Regenwaldes in Brasilien. Dieses Naturschutzprojekt sollte zahlreichen folgenden Wiederaufforstungsvorhaben südamerikanischer Regenwälder beispielhaft vorangehen. Das Instituto Terra pflanzte rund Millionen Setzlinge und bald nahmen die zuvor kargen Hügel jene Gestalt der Landschaft an, die Sebastião Salgado in seiner Jugend erlebt hatte. Mit den Bäumen konnten auch die Geschöpfe des Regenwaldes, die Tiere, allmählich wieder zurückkehren.

“Ich nahm mir acht Jahre Zeit, um zu schauen.”

Von den Erfahrungen mit dem Instituto Terra ermutigt, konzipierten Sebastião und Lélia ein neues fotografisches Großprojekt: Genesis – eine Hommage an den Planeten. Ab dem Jahr 2004 begann der Fotograf wieder expeditionshaft zu reisen. Dieses Mal, um das schöne Gesicht der Natur und der Menschheit abzubilden. In einem Zeitraum von acht Jahren entstanden Landschaftsfotografien, Tieraufnahmen und Bilder von menschlichen Gemeinschaften, die im Einklang mit ihrer Tradition und Kultur leben. Im Frühjahr 2013 wurden zwei Bücher zu Genesis im TASCHEN Verlag in sechs Sprachen veröffentlicht. Zeitgleich begann eine weltweite Wanderausstellung unter dem gleichnamigen Titel.

Als Zuschauer der epischen Dokumentation Das Salz der Erde reisen wir mit Sebastião Salgado zu den entlegensten Orten der Welt. Wir lernen die Schönheit und die “Farbigkeit” der Erde durch seine schwarz-weißen Zeichnungen aus Licht und Schatten neu zu sehen. Das gewaltige fotografische Werk erfährt im Film durch die Art der Inszenierung fast noch eine Erhöhung. Der Film macht Lust, sich weitergehend mit dem stark narrativen Foto-Werk und dem Menschen Sebastiao Salgado zu beschäftigen.

Das Salz der Erde, Regie: Wim Wenders & Juliano Ribeiro Salgado

Auf DVD & Blue-ray erschienen.

www.dassalzdererde-derfilm.de

Titelfoto: (c) NFP, Sebastiao Salgado

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7. September 2019 Aus