Pferde in der Nebenrolle - Paul Gauguin's Bildwelten

Paul Gauguin, geboren 1848 in Paris, gestorben 1903 in Atuona auf Hiva Oa, eine Insel in Französisch Polynesien. Dazwischen ein bewegtes Leben in satten Farben. Sinnlichkeit, Liebe zur Natur und die Neugier auf fremde Horizonte sprechen aus dem Kunstschaffen des weit gereisten Franzosen. Pferde spielen eine Nebenrolle in den Bildwelten des Paul Gauguin - sie gehören bisweilen einfach dazu.

"Die Natur ist rätselhaft unendlich und hat imaginative Kraft." Paul Gauguin brach im Alter von 35 Jahren mit seinem Leben als Börsen- und Versicherungsmakler, um sich fortan auf die Suche nach Freiheit und Glück in der Kunst und in der Natur zu begeben. Gauguin verbrachte seine Kindheit in Peru und war als Seemann auf den Weltmeeren unterwegs, bevor er sich vom Börsenmakler zum kunstschaffenden Bohémien wandelte.

Die Fondation Beyeler zeigt aktuell bis zum 28. Juni 2015 bei Basel sein vielfältiges künstlerisches Werk in einer großen Ausstellung mit einzigartigen Exponaten aus den berühmtesten Museen der Welt. Die Werkschau beginnt mit den in der Bretagne entstandenen Bildern aus der Zeit, als Gauguin seinen Stil bereits gefunden hatte und setzt sich fort mit seinen berühmten in Polynesien geschaffenen Kunstwerken, die zuerst in Tahiti, zuletzt auf den Marquesainseln entstanden sind. Ausgestellte Gemälde, Druckgrafiken, Zeichnungen und Skulpturen stammen aus bedeutenden Gauguin-Sammlungen so namhafter Institutionen wie das Musée d'Orsay in Paris, Eremitage in St. Petersburg, Londoner Tate, Museum Folkwang in Essen, Museum of Modern Art in New York, um nur wenige zu nennen. Die Ausstellung zeigt vielseitige Selbstportraits des Künstlers als auch die visionär-spirituellen Bilder aus seiner Zeit in der Bretagne, wo er seinen besonderen Stil entwickelte, der eine starke Betonung von Flächenhaftigkeit durch klar umrissene Formen und reine leuchtende Farben darstellt. Dort kreierte er auch den Synthetismus mit der um ihn gebildeten Schule von Pont-Aven.

Paul Gauguin - La Vision du sermon, 1888, Die Vision der Predigt, Scottish National Gallery, Edinburgh
Paul Gauguin - La Vision du sermon, 1888, Die Vision der Predigt, Scottish National Gallery, Edinburgh
Paul Gauguin - Parau api, 1892  Quelles nouvelles? Was gibt's Neues?
Paul Gauguin - Parau api, 1892  - Quelles nouvelles? Was gibt's Neues? - Foto: Jürgen Karpinski
Paul Gauguin - Aha oe feii?, 1892 - Eh quoi! tu es jalouse? Wie! Du bist eifersüchtig?
Paul Gauguin - Aha oe feii?, 1892 - Eh quoi! tu es jalouse? Wie! Du bist eifersüchtig? (c) Staatliches Museum für Bildenden Künste A.S. Puschkin, Moskau

Die Gauguin-Schau in Riehen bei Basel stellt zudem die weltberühmten auf Tahiti geschaffenen Werke in den Vordergrund. Seine farbenprächtigen Gemälde dieser Phase feiern die Lebendigkeit, das Ideal einer unversehrten exotischen Lebenswelt, eines freien Lebens voller Mystik und Sinnlichkeit. Traum und Wirklichkeit im Farbenrausch. Das Betrachten dieser Bilder lässt uns Farben ganz neu entdecken - nie war Rosa so attraktiv, Gelb so voller Wärme, Blau so leuchtend. 

Pferde werden in den Bildern des französischen Malers nicht wirklich portraitiert, sie tauchen auf in teils exotischen Landschaften, meist von Einheimischen geritten und bereichern die Szenerie mit ihrer Ausstrahlung. Gauguin's Gemälde sind einerseits wie Momentaufnahmen; doch um schlicht Zeugnisse des Zusammenlebens unterschiedlicher Gesellschaften zu sein, deren Geschehnisse und Zwischenmenschlichkeiten zu dokumentieren, strahlt aus ihnen zu sehr die Persönlichkeit des Künstlers - dessen Suchen, Erleben und Idealisieren.

Paul Gauguin - Die Furth, 1901, Pushkin Museum Moskau
Paul Gauguin - Die Furth, 1901, Pushkin Museum Moskau, WikimediaCommons/PublicDomain
Paul Gauguin - Cavaliers sur la plage (II), 1902 Reiter am Strand (II)
Paul Gauguin - Cavaliers sur la plage (II), 1902 Reiter am Strand (II), Privatsammlung
Paul Gauguin - Contes Barbares, 1902, Barbarische Erzählungen (c) Museum Folkwang, Essen
Paul Gauguin - Contes Barbares, 1902, Barbarische Erzählungen (c) Museum Folkwang, Essen

"Lebe wohl, gastfreies Land, köstliches Land, Heimat der Freiheit und der Schönheit!" Nach Bohémien-Dasein in Kreisen des Pariser Fin de Siècle, Künstlerkommunardenleben im bretonischen Pont-Avent, Aussteigertum in der Südsee stirbt Paul Gauguin im Jahr 1903 krank, mittellos, einsam in seiner Hütte in Atuona auf der Insel Hiva Oa.

Passend zum rastlosen Nomadenleben des Künstlers, gibt es weltweit kein Kunstmuseum, was ganz dem Werk Gauguins gewidmet ist. Sein reicher künstlerischer Nachlass einer nur zwanzigjährigen Schaffenszeit ist auf viele Sammlungen in der Welt verteilt, deren Meisterwerke nun in der Schweiz zu sehen sind. Neben dem Erfahren Paul Gauguin's künstlerischen Schaffens bietet die Ausstellung der Fondation Beyeler einen multimedialen Raum, der Werk und Leben des Künstlers thematisiert. Ungewöhnlich und reizvoll das Rahmenprogramm: Ein Highlight ist leider bereits Geschichte. Schon am 8. Februar 2015 gab es eine Lesung von Keanu Reeves - der Schauspieler mit polynesischen Wurzeln las aus Paul Gauguin's Buch Noa Noa. Es folgen weitere Auftritte von Dominique Horwitz und Marc Almond - beide interpretieren Jaques Brel, welcher wie Paul Gauguin von der Insel Hiva Oa fasziniert war, wo beide nur wenige Meter voneinander entfernt auf dem Friedhof ruhen.

Paul Gauguin - Der Katalog zur Ausstellung

Informationen zu Ausstellung, Ort und Rahmenveranstaltungen:

www.fondationbeyeler.ch

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10. Februar 2015 - 22:04