Para-Equestrian Dressur - Meisterschaft in einmaligem Ambiente

Para-Equestrian Dressur auf Gestüt Bonhomme

Die Deutschen Meisterschaften in der Reitsport-Disziplin Para-Equestrian Dressur werden seit einigen Jahren auf dem Gestüt Bonhomme in Werder, unweit der Hauptstadt Berlin, ausgetragen. Auch im Jahrgang 2015 waren sportliche Top-Leistungen der Dressurreiter mit Handicap geboten, weltmeisterliche Pferde und eine herzliche Stimmung im einmalig schönem Ambiente des Gestüts Bonhomme.

Eingebettet in das Dressurfestival mit dem Ritt um das Goldene Pferd, hat in Werder der Para-Reitsport neben dem Regelsport sein Zuhause gefunden. Zuschauer haben dort die Gelegenheit, bei paralympischen Spielen mit goldglänzenden Medaillen ausgezeichnete Reiter und Pferde zu beobachten. Auf dem Gestüt wird erfolgreich Pferdezucht betrieben, wertvolle Vererber sind hier stationiert. Junge Pferde werden für den Spring- und Dressursport von namhaften Ausbildern auf große Aufgaben vorbereitet, wie Falk Rosenbauer, der den heute so erfolgreich unter Kristina Sprehe startenden Hengst Desperados ausbildete.

Beim alljährlichen Dressurfestival auf Gestüt Bonhomme handelt es sich um eine gemeinsame Reitsport-Veranstaltung von Para-Reitsport und Regelsport für Menschen mit und ohne Behinderung. In diesem Jahr werden die Para-Reiter bei der EM in Aachen leider nicht dabei sein - ihre Europameisterschaften finden wieder separiert in Frankreich statt. Die Zusammenführung, wie bei der Europameisterschaft in Herning, bei früheren Weltmeisterschaften in Kentucky und in Caen bereits erfolgreich durchgeführt, wurde von vielen Zuschauen und Aktiven als Gewinn betrachtet. Die Para-Sportler erfahren so die verdiente Wahrnehmung durch ein größeres Publikum und Medien, Sponsoren können aufmerksam werden und für die Zuschauer bietet der Para-Reitsport ein Bild von Harmonie und Inspiration. 

Stallungen Gestüt Bonhomme - Dressurfestival 2015
Stallungen Gestüt Bonhomme: Reitsportarchitektur auf höchstem Niveau - Landschaftplanung, Interieurdesign, Formensprache, Farbgestaltung.

Der Para-Equestrian Dressursport ist in verschiedene Grade, abhängig von dem Grad der Behinderung, aufgeteilt:
Im Grade I starten die am schwersten behinderten Reiter - zumeist sind es Rollstuhlfahrer, Reiter mit geringer Rumpfbalance oder erheblich begrenzten Funktionen der Gliedmaße.
Der Grade II ist für Reiter mit starken Einschränkungen von Arm- und Beinfunktion und/oder der Rumpfbalance, oft sind es ebenfalls Rollstuhlfahrer. Auch in dieser Klasse sind Reitsportler ohne Bewegungsfunktion eines Armes und Beines startberechtigt.
Im Grade III starten Reiter, die in der Lage sind, ohne Hilfe oder "fahrbaren Untersatz" zu gehen. Sie können Einschränkungen der Bewegungsfunktion von Arm und Bein haben. Blinden Reitern steht Grade III ebenfalls offen sowie einseitig hoch beinamputierten Menschen.
Der Grade IV ist für Reiter mit den am schwächsten ausgeprägten körperlichen Einschränkungen - vergleichsweise schwache Behinderungen in nur ein oder zwei Gliedmaßen oder Einschränkung der Sehfähigkeit.

Angepasst an den Grad der körperlichen Einschränkungen sind die zu reitenden Lektionen. Angefangen bei Schritt und Trabsequenzen im Grade I über Hinzunahme von Galoppsequenzen. Die Anforderungen sind vergleichbar mit Aufgaben aus der A und L-Dressur bis zu Lektionen, vergleichbar mit den Klassen L bis M, in Grade IV.

Hannelore Brenner und ihr Erfolgspferd Women of the World
Hannelore Brenner und Women of the World, Hannoverraner Stute, 20 Jahre

Bei den Deutschen Meisterschaften der Para-Equestrian Dressur 2015 ritten so bekannte Reiter und Reiterinnen wie Britta Näpel, Dr. Angelika Trabert, Steffen Zeibig und Hannelore Brenner. Bereits sehr häufig haben sie mit großem Erfolg die deutschen Farben bei internationalen Championaten vertraten. Steffen Zeibig verabschiedete in Werder sein Erfolgspferd Waldemar aus dem Spitzensport und Hannelore Brenner ritt in diesem Jahr auf Bonhomme mit ihrem Goldpferd Women of the World einmal mehr zu Gold. Die jetzt 20-jährige Hannoveraner Fuchs-Stute ist das bis heute erfolgreichste Para-Dressurpferd.

Die Entwicklungen im deutschen Para-Equestrian Dressursport sind sehr gut, die Erfolge sprechen für sich und es stehen hoffnungsvolle Nachwuchstalente in den Startlöchern. Dennoch braucht der Para-Reitsport noch mehr finanzielle Unterstützung, um auch zukünftig mit den konkurrierenden Nationen mithalten zu können. Wie in anderen Reitsportarten, ist der Erfolg stark abhängig von der Qualität des vierbeinigen Partners. In Großbritannien wird sehr stark in den Para-Reitsport investiert, um nur ein Beispiel aus dem Ausland zu nennen. Die Reiter erfahren dort vergleichsweise große mediale Aufmerksamkeit und werden mit qualitätsvollen Pferden ausgestattet. Es lohnt sich, in diesen Sport zu investieren, denn nicht nur schöner Reitsport wird geboten - die Leistungen der Reiter mit Behinderungen stellen ein hohes Maß an Inspiration und Motivation für behinderte und nicht behinderte Menschen dar. Der Para-Equestrian Reitsport bedeutet einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft. Menschen mit Behinderung bringt der Sport neben der Freude, mit dem Partner Pferd zu arbeiten, Integration und Anerkennung.

Para-Equestrian Dressur - Siegerteam Rheinland-Pfalz
V. l. n. r.: Britta Näpel, Dr. Angelika Trabert, Hannelore Brenner - Siegerteam Rheinland-Pfalz

Persönliche Geschichten und die Ursachen der Behinderungen sind ganz unterschiedlich in der Para-Reiterei. Einige der Para-Reiter sind vor einer plötzlich auftretenden Krankheit oder einem Unfall bereits geritten. Manche wurden mit aus einem Reitunfall resultierender Behinderung anschließend im Para-Reitsport aktiv. Ein zunächst großes Unglück kann mit viel Leidenschaft und der Motivation eines Leistungssportlers zu größtem Erfolg und großem Glück umgewandelt werden. Wieder andere Para-Reiter wurden mit Handicap geboren und fanden bei den Pferden, mit ihrem reiterlichen Talent, genannter Leidenschaft und Motivation zu sportlichen Höchstleistungen. Steffen Zeibig ist seit vielen Jahren neben dem Dressurreiten mit Handicap bei regelsportlichen Dressur- und Springturnieren erfolgreich; ihm fehlen der rechte Unterarm, der rechte Unterschenkel und der linke Fuß.

Wer sich weiterführend über den Parareitsport informieren möchte, findet Informationen auf den Seiten der FN:
www.pferd-aktuell.de/para-equestrian/para-equestrian
Das Deutsche Kuratorium für therapeutisches Reiten www.dkthr.de als Anschlussverband der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) den Para-Equestrian Sport. Das Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Therapeutischem Reiten.

Webseiten von einigen bekannten Para-Reitern:
www.angelika-trabert.de
www.hannebrenner.de
www.steffen-zeibig.de

Auf Gestüt Bonhomme findet alljählich im Frühsommer das Dressurfestival mit dem Ritt um das Goldene Pferd und den Deutschen Meisterschaften der Para-Equestrian Dressur statt. Kurz darauf wird die wunderschöne Reitsportanlage von namhaften Springreitern bevölkert, denn dann öffnen die Bonhomme Open Tor und Tür zum Areal des Gestüts, dem übrigens auch ein Hotel und Restaurant angeschlossen sind. Eingebettet in eine schöne Landschaft und eindrucksvolle Gartenbauarchitektur, können auf der Anlage nicht nur Pferdefreunde Anregung, Ruhe und Entspannung finden. Die Landschaftsplanung um den Reitplatz auf dem die Wettbewerbe der Para-Dressur ausgetragen wurden, wirkt geradezu kontemplativ.

Die Deutschen Meister 2015:
Grade I: Elke Philipp mit Regaliz
Grade II: Steffen Zeibig mit Feel Good
Grade III: Hannelore Brenner mit Women of the World
Grade IV: Lena Weifen-Rohde mit Don Turner 

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Fotos: (c) PferdKultur

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28. Juni 2015 - 12:37