Max Liebermann Ausstellung - Pferde, Polo, Sport und Lifestyle

Max Liebermann, Reiter am Strand mit Foxterrier, 1911

Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport - eine große Max Liebermann Ausstellung in der Kunsthalle Bremen eröffnet im Oktober. Die Ausstellung zeigt Liebermanns künstlerische Auseinandersetzung mit Bewegung und sportlichen Aktivitäten. Im Mittelpunkt: Reiterei und Pferdesport.

Als erster deutscher Künstler widmete sich Liebermann in seiner Arbeit intensiv dem Thema Sport. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts malte der 1847 in Berlin geborene Künstler an der holländischen Nordseeküste Badegäste und Reiter am Wasser. Seine Schilderungen moderner Sportarten wie Polo, Tennis und Pferderennen zeigen einen Ausschnitt des Lebenstils um 1900. Nach dem Ersten Weltkrieg waren es Segler, Eisläufer und Reiter vom Wannsee oder vom Berliner Tiergarten deren Aktivitäten im Freien der Künstler in Gemälden und Grafiken festhielt - bürgerliches Freizeitvergnügen. Die Ausstellung untersucht erstmals Liebermanns Blick auf Sport und das was wir heute Lifestyle nennen. Sie erzählt die Geschichte populärer Sportarten wie Tennis, Reiten, Polo und vermittelt ein Bild des sich in seinen Freizeitbeschäftigungen am englischen Sportsman orientierenden Großbürgertums jener Epoche.

Max Liebermann, Pferderennen (in den Cascinen) - 2. Fassung, 1909
Max Liebermann, Pferderennen (in den Cascinen) - 2. Fassung, Kunstmuseum Winterthur, Geschenk von Georg Reinhart, 1924 (c) Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, Jean-Pierre Kuhn
Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903
Max Liebermann, Polospieler in Jenischs Park, 1903Privatbesitz

Liebermanns Reitermotive und Darstellungen des Polospiels und von Hindernisrennen stehen im Mittelpunkt der Schau in der Bremer Kunsthalle. Max Liebermann war der erste Künstler, der das Polospiel gemalt hat. Dieses ungewöhnliche Sujet wurde bis dahin weder von deutschen Künstlerkollegen dargestellt, noch von den französischen Impressionisten. In seiner Gestaltung ist das Bild Polospieler im Jenischs Park jedoch deutlich von Edgar Degas inspiriert: Die asymmetrische Komposition, die Anschnitte und die heftige Bewegung der Tiere verbildlichen die Flüchtigkeit des Moments. Zur Veranschaulichung seiner Inspirationen und seiner Wirkung auf nachziehende Künstler, werden in Bremen neben Werken von Max Liebermann auch Kunstwerke anderer bedeutender Künstler gezeigt. Historisches Material und insgesamt 140 Kunstwerke illustrieren die Entwicklung und Bedeutung des Sports als Wettkampf und Freizeitvergnügen in der Gesellschaft: Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier unter anderem von Gustave Caillebotte, Edgar Degas, Sir John Lavery, Edouard Manet, Ernst Oppler, Renée Sintenis und Henri de Toulouse-Lautrec. Die präsentierten Kunstwerke stammen aus internationalen Museen und Privatsammlungen, unter anderem aus Washington, Jerusalem, Paris und Zürich.

Henri de Toulouse-Lautrec, Der Jockey, 1899
Henri de Toulouse-Lautrec, Der Jockey, 1899, Sammlung Hegewisch in der Hamburger Kunsthalle

Eleganz von Pferd und Reiter, der dynamische Ausdruck von Mensch und Tier kontrastiert mit den frei heran rollenden Wellen im Hintergrund - von der Jahrhundertwende bis 1913 malte Max Liebermann zahlreiche Bilder von Reitern am Meer. Zumeist die trabenden Pferde am Wasserschlag lebhaft wiedergebend, lässt er in anderen Werken den Reiter wie bei einem Porträt posieren. Wie Max Liebermann war auch seine Tochter Käthe eine begeisterte Reiterin. Vermutlich inspirierte sie ihn bereits 1902/03 zu den Darstellungen der Amazonen am Strand. 1913 porträtierte der Künstler sie zu Pferd, selbstverständlich im Rock, denn als einzig akzeptabel galt damals der Damensitz für Frauen.

Max Liebermann, Reiter und Reiterin am Strand, 1903, Öl auf Leinwand 72,5 x  101 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbaud, Köln / Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Max Liebermann, Reiter und Reiterin am Strand, 1903, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbaud Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Max Liebermann, Tennisspieler am Meer, 1. Fassung, 1901, Öl auf Leinwand, 69,5 x 100,3 cm Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr, Foto: Lukas Spörl
Max Liebermann, Tennisspieler am Meer, 1. Fassung, 1901, Museum Kunst der Westküste Alkersum/Föhr, Foto: Lukas Spörl

Reiter und Pferde-Motive sind die eine Facette; die Schau schlägt den Bogen von den badenden jungen Männern an der Nordsee zu den Reitern am Strand, über die Polospieler, Hindernisrennen und Galopprennen bis zu Liebermanns Darstellungen des Tennisspiels. Für das Motiv Tennis fand Liebermann vermutlich Anregung bei dem englischen Impressionisten John Lavery. In Deutschland war Liebermann jedoch der erste Künstler, der den Tennissport darstellte.

Ernst Oppler, Boxkampf (im Berliner Sportpalast), 1920, Öl auf Leinwand, 45 x 65 cm (c) The Israel Museum, Jerusalem
Ernst Oppler, Boxkampf (im Berliner Sportpalast), 1920 (c) The Israel Museum, Jerusalem

Sport als populäres Massenspektakel, Prestige-Etikett, zur Selbstoptimierung, als Ausgleich zum Allltagsstress oder als gemeinschaftliches Erlebnis, in aktiver Ausübung oder als Teil des Publikums erlebt - Sport erfährt in unserer Gesellschaft heute die größtmögliche Aufmerksamkeit. Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich in zahlreichen Gemälden mit diesem Thema auseinandersetzte.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Berliner Liebermann-Villa am Wannsee entstanden, wo sie auch vom 19. März bis 25. Juni 2017 in etwas geringerem Umfang zu sehen sein wird. Wer Wert legt, das gesamte Ausstellungskonzept erfahren zu können, mit den zahlreichen Werken weiterer Künstler, sollte sich auf den Weg nach Bremen machen.

Max Liebermann - Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport 

22. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017 in der Kunsthalle Bremen 

www.liebermann-bremen.de
www.kunsthalle-bremen.de

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16. Juli 2016 - 20:42