Kino - Den Menschen so fern - ein europäischer Western

Den Menschen so fern - ein europäischer Western

Existentialistenwestern - Den Menschen so fern - Der Eröffnungsfilm des Filmfests München 2015 ist ein in Nordafrika spielender europäischer Western, der sich mit dem Algerienkrieg auseinandersetzt. Viggo Mortensen, Pferde, Albert Camus, die nordafrikanische Wüste und Filmmusik von Nick Cave ...

Algerien 1954 - der zurückgezogen lebende Lehrer Daru (Viggo Mortensen), Sohn französischer Siedler, bekommt den Auftrag einen des Mordes beschuldigten jungen Algerier den Behörden in der nächstliegenden Stadt zu überstellen. Er nimmt den kranken Häftling Mohamed (Reda Kateb) zunächst bei sich auf, doch möchte er ihn gleich am nächsten Tag in die Freiheit entlassen. Das will indes einfach nicht gelingen. Als sich in einem Tal eine Rebellion zusammenbraut, fliehen die zwei gegensätzlichen Männer gemeinsam über das algerische Atlasgebirge. Verfolgt von Reitern und Dorfbewohnern, die Blutrache geschworen haben, schlagen sie sich durch das Gebirge, um gemeinsam für ihre Freiheit zu kämpfen. 

Basierend auf der Kurzgeschichte Der Gast von Albert Camus hat der französische Regisseur David Oelhoffen einen sehr persönlichen Film realisiert. Sein Vater, selbst Lehrer während des Algerienkrieges in Nordafrika, hat mit seinem Sohn nie über die Erlebnisse dieser Zeit gesprochen. Zufällig fiel Oelhoffen die Kurzgeschichte Albert Camus' in die Hände - dies setzte etwas bei ihm in Gang, was schlussendlich zu diesem intelligenten Kinofilm fern jeder gewöhnlichen Action, geführt hat. Albert Camus wuchs in Algerien auf und studierte in Algier, bevor er als Autor und Philiosph eine zentrale Figur des Existentialismus in Frankreich wurde.

Von Beginn an hatte David Oelhoffen einen Western vor Augen und den Wunsch, den von Einsamkeit umhüllten Daru durch Viggo Mortensen real werden zu lassen. Fabelhaft, mit viel Tiefe spielt der US-amerikanisch/dänische Schauspieler auch ohne den Einsatz vieler Worte den von der Welt abgewandt lebenden Lehrer. Die Kamera folgt seinem Gesicht mit großer Nähe. In dem Kinofilm Den Menschen so fern gehen zwei sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen persönlichen Geschichten einen gemeinsamen Weg. Am Ende der Reise hat jeder der beiden dem anderen etwas gelehrt.

Viggo Mortensen als Daru in Den Menschen so fern
Europäischer Western - Den Menschen so fern
Viggo Mortensen als Daru in Den Menschen so fern

Pferde spielen in jedem Western eine nicht unwesentliche Rolle. So auch in diesem europäischen Film des bekannten Genres. Gleich zu Beginn erfährt der Zuschauer eine traurige Szene in der ein Pferd den Tod findet. Diese Szenen sind in meisterhafter Weise aufgelöst. Sie prägen für den Zuschauer die Richtung des Films - seiner Geschichte. In jeder Hinsicht reduziert auf das Wesentliche, nimmt uns der Film mit auf die jeweils sehr persönliche Wanderung der beiden Protagonisten. Das Filmbild von Den Menschen so fern ist bestimmt vom eingeschränkten Farbspektrum der nordafrikanischen Wüste und des Atlasgebirges - klein sind die Menschen die sich darin bewegen. Sie kämpfen sich unermüdlich durch die unwirtliche Natur und das von Krieg, Verlust und gesellschaftlichen Zwängen beeinträchtigte Dasein. Eindrucksvolle Filmbilder werden durch die Filmmusik gekonnt verstärkt. Nick Cave hat zusammen mit Warren Ellis den spärlich, aber auf den Punkt eingesetzten Score für die Regiearbeit Oelhoffens komponiert. Emotionale und schicksalhafte Wendungen werden perfekt von der eindringlich unaufdringlichen Filmmusik unterstrichen.

Ein intelligenter Western mit brilliantem Einsatz von Kamera, Musik und dem intensiven Spiel der beiden Hauptdarsteller. 

DEN MENSCHEN SO FERN
Regie: David Oelhoffen
Kamera: Guillaume Deffontaines
Musik: Nick Cave und Warren Ellis
Frei nach der Novelle Der Gast von Albert Camus.

Kinostart Deutschland: 9. Juli 2015

Fotos: (c) Den Menschen so fern, Arsenal Film

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30. Juni 2015 - 22:44