Doug Aitken in Deutschland - Kunstausstellung und Filmstart

Doug Aitken in Deutschland - Kunstausstellung und Filmstart

Sommer 2015: Das Medienkunstereignis in Deutschland. Installationen und Skulpturen von Doug Aitken - eine umfassende Einzelschau seiner Film- und Soundarbeiten. Gleichzeitig kam Doug Aitken's Kunst-Doku STATION TO STATION im Kino.

STATION TO STATION - der Film, der ein Kunstwerk und gleichermaßen eine Doku über Kunst und Kultur ist, feiert zu Beginn der Doug Aitken Ausstellung in Frankfurt Deutschlandpremiere. 24 Tage raste ein Zug 4000 Meilen durch die Vereinigten Staaten von Amerika, vom Atlantik zum Pazifik. Im Zug, in und um die Stationen in welchen der Zug Halt machte, passierten Kunsthappenings verschiedener Darstellungsformen. Daraus ist ein Kaleidoskop von 62 einminütigen Sequenzen entstanden, die schnell hintereinandergeschnitten ein berauschendes cineastisches Werk bilden.

Auf mehr als 1400 Quadratmetern entfaltet sich das Universum des Künstlers Doug Aitken in der Schirn Kunsthalle mit den Kunstwerken SONG 1 (2012/2015) - die Mehrkanal-Videoinstallation wurde ursprünglich für die Fassade des Hirschhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C. entwickelt und wird nun erstmalig im Innenraum realisiert. Das nächtliche Treiben in einer Großstadt der USA: Szenen aus dem Arbeitsalltag mischen sich mit Bildern endloser Autofahrten und Aufnahmen von Parkplätzen, Schnellrestaurant und einer Fabrik - Plätze an denen Begegnung möglich ist. Das Leitmotiv dieser filmischen Installation ist ein Lied aus den 30-er Jahren, was von verschiedenen Protagonisten - darunter Tilda Swinton und Beck, gesungen wird.

Doug Aitken SONG 1, 2012/2015
SONG 1, 2012/2015 (c) Doug Aitken

Black Mirror (2011) thematisiert das nomadische Reisen einer jungen Frau. Dargestellt von Chloë Sevigny, ist die junge Frau, gefangen zwischen den modernen Errungenschaften unserer Zivilisation - Internet, Smartphone, globale Mobilität - permanent in Bewegung. Doug Aitken's Kamera vermittelt die zentrale Motivation dieses Films eindrucksvoll: Bewegung ist das einzige Ziel.

Der Arbeit migration (empire) aus dem Jahr 2008 entstammt das Titelbild dieses Beitrags. Das Pferd im Zimmer eines Motels irgendwo in der U.S.-amerikanischen Peripherie. Auf drei hintereinander aufgestellten Billboardscreens wird diese Videoarbeit in der Frankfurter Schirn präsentiert. Die Kamera führt die Betrachter von Zimmer zu Zimmer. In jedem der Zimmer ist ein Tier zu sehen: das Pferd auf einem abgewetzten Teppich - seine Hufe wirbeln Staub auf; ein Biber in der Badewanne; Hasen lümmeln sich auf Betten.

Die vierte große Videoarbeit des Ausstellungsparcours zeigt die erste Mehrkanal-Videoinstallation von Doug Aitken aus dem Jahr 1997: diamond sea - für das Landschaftspanorama verbrachte Aitken Monate in der namibischen Wüste. Karge unwirtlich erscheinende Aufnahmen der zerfallenen Anlagen von Diamanten-Minen und poetisch anmutende Bilder der unverwechselbaren Natur - die Wüste und das Meer.

Zwischen filmischen Arbeiten von Doug Aitken ist eine an die Themen seiner Video-Installationen anknüpfende Auswahl von Skulpturen zu sehen. Sie betonen den interaktiven Charakter der Installationen. Das Spektrum von Aitken's künstlerischen Schaffen ist weitreichend - es umfasst Film, Musik, Architektur, Performance, Happening und Skulptur. Er arbeitet genreübergreifend, oft mit anderen Künstlern, Musikern und Schauspielern zusammen.

Doug Aitken Portrait
Doug Aitken Portrait - Foto (c) Alayna Van Dervort 

Der kalifornische Künstler wurde 1968 in Redondo Beach geboren, er studierte am Marymount College, Palos Verdes und am Art Center College of Design in Pasadena, wo er 1991 seinen Bachelor of Fine Arts erhielt. 1999 wurde Aitken mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnet. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in den renommiertesten Museen und Galerien weltweit präsentiert. Doug Aitken nahm an zahlreichen internationalen Biennalen teil.

Parallel zur großen Einzelausstellung in der Frankfurter Schirn vom 9. Juli bis 27. September 2015 präsentiert das Barbican Centre in London die Ausstellung "Station to Station: A 30 day Happening" vom 27. Juni bis 26. Juli 2015.

Mit dem Film-Projekt STATION TO STATION bricht Doug Aitken Strukturen im Kunstzirkus auf - herkömmliche Präsentationsformen sind meist statisch durch feste Räume begrenzt. Aitken bringt die Kunst in Bewegung und "auf Speed". Unterschiedliche Künstler und Kulturschaffende wurden auf der Reise quer durch die USA zusammengeführt. Die Außenhaut der Zugwaggons hat der Künstler/Regisseur mit LED-Bildschirmen ausgestattet, sodass der Zug physisch als bewegliche Projektionsfläche und Kunstobjekt durch Landschaft und Städte rauschte. Der Schnellzug machte Station in Metropolen wie New York, Chicago, Los Angeles, doch hielt er ebenfalls in weniger bekannten Städten wie zum Beispiel Winslow in Arizona, um an diesen Orten Happenings stattfinden zu lassen.

Station to Station - Film Doug Aitken

Nicht die einzelnen geplanten Happenings stehen im Mittelpunkt, die Begegnung und der entstehende Austausch zwischen Akteuren und Publikum bilden das eigentliche Kunstwerk. Auf der zugehörigen Website wurden schon während der Reise Ergebnisse veröffentlicht und via Instagram, Twitter und Soundcloud konnten Interessierte aus der ganzen Welt in Echtzeit mit den Künstlern der Reise zusammenarbeiten.

„Was mich interessiert, ist die Vorstellung davon, dass verschiedene Momente aufgegriffen werden und in etwas abgeworfen werden, das sich bewegt. Etwas, das sich verändert“ - Doug Aitken

STATION TO STATION, USA 2014, 70 Minuten
Regie: Doug Aitken
Kamera: Doug Aitken, Corey Walket
Produktion: Arts & Sciences
Verleih: NFP Marketing & Distribution, Berlin
Vetrieb: Filmwelt, München
​Deutschlandpremiere: 12. Juli 2015 Cinema, Frankfurt am Main

Kinostart: 16. Juli 2015

www.schirn.de
www.stationtostation.com
www.stationtostationfilm.com
www.stationtostation-derfilm.de

Szenenbilder aus STATION TO STATION (c) Doug Aitken Workshop & Station to Station, LLC.

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21. Juni 2015 - 1:05