Doku - The Horses of Fukushima

Dokumentarfilm The Horses of Fukushima

Fukushima steht seit dem Jahr 2011 für den Begriff Nuklearkatastrophe wie Tschernobyl seit 1986. Die Auswirkungen von Fukushima - global, regional, kollektiv und individuell folgenschwer. Ein ehemaliges Rennpferd, ein 1000-jähriges Pferdefestival, die nukleare Katastrophe - als Dokumentarfilm erzählt The Horses of Fukushima die Geschichte der equinen Kultur in der Region um das havarierte Atomkraftwerk.

Die Dokumentation porträtiert das Schicksal des seit gut zehn Jahrhunderten stattfindenden Pferdefestivals und beschreibt die individuelle Bedeutung des folgenschweren Reaktorunglücks am Beispiel eines ehemaligen Rennpferdes und seiner Menschen.

Die japanische Großstadt Fukushima und gleichnamige Präfektur liegt etwa 250 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Tokio im Nordosten der Hauptinsel Honshū. Am 11. März 2011 um 14:47 Uhr Ortszeit begann, angestoßen durch das Tōhoku-Erdbeben, eine Reihe katastrophaler Unfälle und schwerer Störfälle im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. In Block 1 bis 3 kam es zu Kernschmelzen. Tsunamiwellen überschwemmten Teile betroffener Reaktorblöcke des am Meer liegenden Kernkraftwerks. Große Mengen freigesetzten radioaktiven Materials kontaminierten Luft, Böden, Wasser der unmittelbaren Umgebung und wurden durch naturbedingte Kreisläufe weiter verbreitet. Einwohner der Region mussten evakuiert werden, in landwirtschaftlichen Betrieben zurückgelassene Tiere verendeten. In Minami-soma, 20 Kilometer entfernt vom Fukushima Reaktor 1, haben Pferde traditionell und historisch eine wichtige Bedeutung im regionalen Leben. Bis in die 1970er Jahre hielten Landwirte Pferde, um ihre Felder zu bestellen. Der Soma Distrikt ist in Japan als Pferdezucht-Region bekannt. Soma Nomaoi, das Festival welches den Beitrag des Pferdes zum Alltag in der Präfektur Fukushima und der Gesellschaft im allgemeinen feiert, wird seit rund 1000 Jahren, heute drei Tage lang, zelebriert. Der Höhepunkt des Festes sind traditionelle Wettkämpfe; reitende Samurai treten in voller Rüstung mit Katana Schwertern bei einem Rennen über 1000 Meter mit ihren Pferden gegeneinander an. Begleitet werden die Wettkämpfe von rituellen Zelebrationen und Feierlichkeiten. Hunderte Pferde nehmen an diesem Spektakel teil.

Herr Tanaka hielt 40 Pferde innerhalb des 20-Kilometer-Radius um das Kernkraftwerk. Im März 2011 wurde er nach dem Reaktorunglück dazu aufgefordert, das Gebiet und die Pferde zu verlassen. Nur wenige Wochen später durfte er in die abgesperrte Zone zurück und fand seine Pferde krank, verendend, manche mit Deformationen an Körperteilen, viele traumatisiert. Monatelang filmte der Regisseur Matsubayashi Yoju die Pferde in ihrer schlimmen Situation während er Herrn Tanaka half, die Tiere auf seinem Hof in der Zone zu versorgen.

Mit The Horses of Fukushima konzentriert sich der Filmemacher auf die Tiere, um die Geschichte der japanischen Gesellschaft und deren erlittenen Verlust durch ihre Abhängikeit von der Kernenergie zu erzählen. Im Gegensatz zu vielen Filmen rund um das Fukushima-Unglück, erklärt dieses Filmprojekt nicht. Die Zuschauer erfahren durch das Beobachten der Pferde, wie einfach und schön es ist, zu essen, zu laufen, zu leben.

Der Name des Pferdefestivals in der Fukushima-Region bedeutet “Wildpferde treiben". Die Wildnis, die Natur vor den eigenen Karren spannen - das ist es, was die menschliche Zivilisation groß gemacht hat. Wie steht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit der genutzten Natur?

Der 74-minütige Dokumentarfilm The Horses of Fukushima des japanischen Filmemachers Matsubayashi Yoju wurde im Jahr 2013 fertiggestellt und lief seither bei japanischen und internationalen Filmfestivals wie Dubai International Film Festival, Korean International Documentary Film Festival, International Documentary Film Festival Amsterdam und beim Japanischen Filmfest Nippon Connection in Frankfurt.

Weitere Screenings bei internationalen Filmfestivals stehen an - hoffentlich ist dieser Dokumentarfilm auch bald noch einmal in Deutschland zu sehen.

Matsuri no uma - The Horses of Fukushima, Japan, 2013
Filmed, edited, and directed by: Matsubayashi Yoju 
Distributed by: Tofoo Films 
Produced by: Documentary Japan, Tofoo Films, 3JoMa Film

www.matsurinouma.com

Fotos: (c) Matsubayashi Yoju, The Horses of Fukushima, mit freundlicher Genehmigung zur Abbildung auf PferdKultur

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4. Oktober 2014 - 12:12