Aferim! Derber Ritt durch die Walachei

Aferim! - Regie: Radu Jude Foto: (c) Silviu Ghetie

Berlinale 2015 - Silberner Bär für den rumänischen Regisseur Radu Jude. Sein Film Aferim! ist ein derber Ritt durch die Walachei des 19. Jahrhunderts. Laut, agil, lustig, roh und nicht ohne Hintersinn. Ein rumänischer Western in Schwarz-Weiß: Pferde, weite Landschaft, der lange Ritt, wilde Feste, Sklaverei ...

Der mit dem Silbernen Bären für Regie ausgezeichnete Film ist eine Art "Sittengemälde" des Balkans im 19. Jahrhundert und beschäftigt sich mit - bis in die heutige Zeit hineinreichend Tabuthema - Versklavung der Roma in Rumänien. 

Das Jahr 1835 im südlichen Rumänien: Der Gendarm Costandin und sein Sohn suchen zu Pferd einen „Zigeunersklaven“, der seinem Herrn entlaufen ist, zudem eine Affäre mit dessen Frau gehabt haben soll. Auf ihrem Ritt durch die Walachei begegnen sie Menschen unterschiedlicher Nationalität und verschiedenen Glaubens: Türken und Russen, Christen und Juden, Rumänen und Ungarn; was sie alle eint, sind Vorurteile gegenüber dem jeweilig anderen - von einer Generation zur nächsten weitergereicht. Der Sklave Carfin ist gefunden, das Abenteuer längst nicht zu Ende. "Besser lahm und zu Fuss, als blind und im Sattel" sagt Costandin und zieht den mit Blasen an den Füßen gepeinigten Sklaven an einem Strick hinter sich und seinem Pferd her...

Aferim! Film von Radu Jude - (c) Beta Film
Aferim! (c) Beta Film

Aferim! ist auch eine auf historischen Dokumenten, Bildern, Literatur und Liedern beruhende Geschichte über das spätfeudale Europa, seine Machtverhältnisse und Hierarchien. Der Regisseur Radu Jude inszeniert den Blick auf das Selbst- und Fremdbild der Völker der Region, den Umgang mit Minderheiten und daraus erwachsenden Konflikten wie einen wilden Ritt durch diesen Abschnitt der Geschichte des Balkans mit Musik und Feierei, Humor und derben Aussprüchen.

Verhaltensweisen werden von Generation zu Generation weitergereicht, bilden Mentalitäten, die bis in die heutige Zeit hineinragen können. Doch während der unerschütterliche Costandin noch jede Situation mit munteren Weisheiten kommentiert, blickt sein Sohn eher nachdenklich auf das Geschehen.

Der Goldenen Bär ging an den Film 'Taxi' des iranischen mit einem Berufsverbot belegten Regisseurs und renommierten Filmemachers Jafar Panahi. Eine (notwendige) politische Entscheidung für die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kunst, der Medien - für unser aller Freiheit. Die Preise der in diesem Jahr mit einem besonders stark von politischen Themen dominierten Filmprogramm ausgestatteten Berlinale im Überblick: Auszeichnungen 2015

Wann Aferim! in unseren Kinos erscheinen wird, ist noch nicht bekannt. Es wäre sicher eine Bereicherung: ein Film, der auf leichte Art und Weise von Kulturen, Geschichte, dunklen Seiten der Vergangenheit erzählt und schlicht in Schwarz-Weiß gehalten, beeindruckend fotografiert ist.

www.facebook.com/aferimfilm

Fotos: Aferim! Regie: Radu Jude - Foto: (c) Silviu Ghetie

up
320 Schleifen
Gefällt mir!
15. Februar 2015 - 11:06