Another Day of Life - Doku und Animationsfilm

Gezeichnet im Stil einer Graphic Novel: Another Day of Life ist ein dokumentarischer Film über den weltbekannten Journalisten Ryszard Kapuściński und seine Zeit in Angola. In dem afrikanischen Land erlebt der Reporter aus Polen, Mitte der 70er Jahre, die brutale Realität des Krieges hautnah. Angola wird ihn für immer verändern.

"Sie ist mächtig, diese Confusão. Sie stiehlt sich in unsere Herzen, man kann sie nicht besiegen. Man kann nur durch sie hindurch gehen und wieder auftauchen."

Warschau, 1975. Der idealistische Journalist überzeugt seinen Chef in der Presseagentur, ihn nach Angola zu entsenden, wo ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Dort ist Ryszard Kapuściński nicht nur Zeuge der Geschehnisse, er ist Teil der Vorgänge, die ihn auch dazu veranlassen, über seinen eigenen Berufsbegriff nachzudenken. Er versucht inmitten der "Confusão", das Richtige zu tun. Confusao ist ein Ausdruck, der das Lebensgefühl jener Zeit an diesem Ort in einem Wort zusammenfasst. Vereinfacht interpretiert: Verwirrung, Durcheinander, Zustand der Anarchie und Unordnung. Confusão bedeutet in dem kurz vor der Unabhängigkeitserklärung stehendem Land, eine von Menschen hervorgerufene, komplett außer Kontrolle geratene Situation.

Another Day of Life ist die packende Geschichte der dreimonatigen Reise des berühmten polnischen Reporters Ryszard Kapuściński durch das kriegszerstörte Angola. Der Film basiert auf Motiven des gleichnamigen Romans, in dem Kapuściński mit journalistischem Gespür und detailgenauem Blick die eigenen Erfahrungen während des Bürgerkriegs literarisch verarbeitet hat.

"Armut hat keine Stimme. Meine Aufgabe ist es, ihnen Gehör zu verschaffen.
Das ist meine Mission."

Ryszard Kapuściński studierte Geschichte an der Universität in Warschau, bevor er von 1956 bis 1981 als Auslandskorrespondent für die polnische Presseagentur PAP arbeitete. Von Asien, Lateinamerika und Afrika, wo er Dutzende von Aufständen, Bürgerkriege und Revolutionen miterlebte, berichtete er vom politischen Geschehen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Ryszard Kapuściński zählte zu den bedeutendsten Journalisten der Gegenwart und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1994 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 1999 mit dem Hanseatischen Goethe-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung in Hamburg. Bis heute genießt der Autor der Werke „The Emperor“, „The Shadow of the Sun“, „Imperium“ und „The Soccer War“ international den Ruf als Schöpfer einer besonderen Art der literarischen Reportage. "Eine atemberaubenden Mixtur aus Reportage und Kunst“, so beschreibt der Literat Salman Rushdie die Arbeit von Kapuściński. Seit 1981 lebte Ryszard Kapuściński als Journalist und Schriftsteller wieder in Warschau. Er starb am 23. Januar 2007 ebenda. Sein Werk genießt bis heute weltweit höchstes Ansehen und wurde in über 30 Sprachen übersetzt.

"Sie werden eine Spur hinterlassen: Ich war hier, so sah ich aus. Dies ist das Gesicht, das ich hatte, als ich lebte."

Kapuściński's Reise beginnt im Jahr 1975 in Luanda, der Hauptstadt Angolas. Beflügelt durch den Erfolg der portugiesischen Nelkenrevolution im Jahr zuvor, befindet sich das Land, mitten im Prozess der Entkolonialisierung von Portugal und unmittelbar vor der Unabhängigkeitserklärung. Portugiesische Staatsangehörige fliehen aus den wohlhabenderen Vierteln Luandas. Geschäfte schließen, schrittweise verschwinden Polizeikräfte aus dem öffentlichen Leben, Berge an Müllsäcken beginnen sich in allen Vierteln zu stapeln. Von seinem Stützpunkt im überfüllten Hotel Tivoli aus beobachtet der Reporter die sich leerende Stadt. In den letzten Monaten vor der Erklärung der Unabhängigkeit kämpfen unterschiedlichste Splittergruppen, teils unterstützt von den Mächten des Kalten Kriegs, um die Macht der künftigen Republik. Kapuściński entscheidet sich, an die Frontlinien des Kriegsgeschehens zu reisen, um als erster Reporter von den Hintergründen des Konflikts zu berichten. An der Front arbeitet er unter immensem Druck, sein Alltag wird beherrscht von Terror und Einsamkeit. Sich durch die Kriegszonen zu bewegen, gleicht für ihn einem russischem Roulette. Schon der falsche Gruß an einem der zahlreichen Checkpoints kann den Tod bedeuten. 

Der angolanische Bürgerkrieg wird für den Journalisten aus Polen schnell zu mehr als einem Kriegsschauplatz, über den es zu berichten gilt. Mit der Guerillera Carlotta und General Farrusco – zwei für ihn sehr prägenden Menschen, die er während seiner Reisen an die Front trifft, bekommt der Krieg für Kapuściński ein menschliches Gesicht.

Another Day of Life - Filmplakat

Als Autor verspürt er zunehmend einen inneren Konflikt, der es ihm unmöglich macht, lediglich als passiver Beobachter über die Ereignisse um ihn herum zu berichten. Kritisch hinterfragt er seine Rolle als Kriegsreporter und die eigene journalistische Unparteilichkeit. Er spürt, wenn er die wahre Geschichte Angolas erzählen will, muss er beruflich einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Er wird die journalistische Reportage um die Mittel der Literatur erweitern. Mit seinen täglichen Berichten an die Presseagentur, seinen Texten und Fotos, sorgte Ryszard Kapuściński dafür, dass die Gefallenen dieses Krieges vor der Unabhängigkeitserklärung Angolas, eine Spur hinterlassen. Die Bürgerkriege gingen auch nach der Erklärung der Unabhängigkeit im November 1975 weiter und hielten mit Unterbrechungen bis 2002 an. Millionen von Menschen sind während der Kriege verschwunden - sie sind gestorben oder wurden vertrieben.

Another Day of Life ist ein Hybrid: Ein animierter Dokumentarfilm mit Spielszenen, die aus 60 Minuten Animation im Stil einer Graphic Novel bestehen und ergänzt sind, um 20 Minuten dokumentarischen Materials. Einige der Handlungsstränge und Charaktere sind fiktiv, andere Abbild realer Zeitzeugen, die direkt in die im Buch beschriebenen Geschehnisse von 1975 verwickelt waren. In der filmischen Umsetzung bekommen die animierten Protagonisten ihr reales Abbild mit den dokumentarischen Bildern gegenübergestellt. Ricardo, wie der Reporter in Angola genannt wurde, träumt grandios gezeichnete Alpträume des Krieges in intensiver Bildsprache. Mimik, Ausdruck und Emotionen der gezeichneten Figuren sind sehr fein dargestellt. Die Umsetzung der Animation erfolgte nicht aus originär gezeichnetem Material, sondern aus vorab gedrehten Filmsequenzen mit Schauspielern; anschließend wurde animiert. Über 200 Illustratoren und Trickfilmzeichner haben an der Realisation dieses Filmwerks mitgewirkt.

Der Film ist ein einfühlsamer Einblick in das Leben eines brillianten Journalisten und Kriegsreporters. Eine spannende Mixtur von Erzählmitteln, die ein intensives Gesamtbild ergeben. Another Day of Life wurde mit dem Cartoon Movie’s Producer of the Year Award ausgezeichnet und war nominiert für den Europäischen Filmpreis 2018 in der Kategorie Bester Animationsfilm.

ANOTHER DAY OF LIFE
Kinostart: 4. April 2019

Ein Film von Raúl de la Fuente & Damian Nenow nach dem Buch „Another Day of Life“ von Ryszard Kapuściński.
Produktion: Platige Films und Kanaki Films in Co-Produktion mit Walking the Dog, Wüste Film und Animationsfabrik, im Verleih von Pandora Film.

www.anotherdayoflifefilm.com

Bildmaterial: (c) Wüste Film / Pandora Film

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1. März 2019 - 20:46